PUPPEN & Spielzeug

2019-05-15 08:00:54

30 Jahre Müller-Wichtel

Ausgabe 03/19

Ein Streif durch die Geschichte

Mittlerweile ist es 30 Jahre her, dass die gelernte Krankenschwester Rosemarie Müller ihre erste eigene Puppe anfertigte. Zusammen mit ihrem Mann Willi baute sie in den letzten drei Jahrzehnten die Marke Müller-Wichtel auf und zaubert ihren Kunden mit ihren Kreationen ein Lächeln ins Gesicht. Doch nicht nur diesen kreativen Projekten widmete sich die Künstlerin: Sie arbeitete außerdem als technische Zeichnerin und als Köchin. Was das Erfolgsrezept hinter den Puppen aus dem Westerwald ist und was sich in den letzten 30 Jahren an ihnen verändert hat, das zeigt dieser Streifzug durch die Geschichte der Wichtel.

Die Puppenkünstlerin Rosemarie Müller, die mit ihrem Mann Willi in einem kleinen Dorf im Westerwald in der Nähe von Limburg an der Lahn wohnt, kam zum Puppenmachen eher wie die Jungfrau zum Kind – zufällig sah sie Ende der 1980er-Jahre einen Fernsehfilm über die Herstellung von Porzellanpuppen. Dort wurde erklärt, dass man dieses Handwerk in Seminaren erlernen könnte. ­Rosemarie Müller erinnert sich noch: „Ich war begeistert und mein Mann Willi meldete mich dort an.“ Doch bereits nach kurzer Zeit machte ihr das Reproduzieren von Antik- und Künstlerpuppen keinen Spaß mehr. Die Begründerin von Müller-­Wichtel hatte andere Ziele: „Ich wollte eigene Puppen modellieren und in Porzellan ­fertigen. In einem Kurs bei der sehr bekannten Puppenkünstlerin Renate Höckh lernte ich die wichtigsten Dinge: wie die Proportionen von Kindern und Erwachsenen aussehen oder den Formenbau, um aus einem Tonmodell eine Porzellanpuppe gießen zu können.“

Für Jedermann

Die ersten Puppen von Rosemarie Müller entstanden dann 1989 und waren aus Porzellan. Zu Beginn ihrer Puppenkarriere fertigte die Künstlerin sehr realistische Darstellungen von Kindern und Jugendlichen an. Das Hauptthema war, Kinder aller Welt darzustellen. Die Größe variierte, die Kleinste war gerade einmal 10 Zentimeter groß, die Größte 110 Zentimeter. „Erst ab 2004 ging ich dazu über, die Modellierung zu reduzieren und mich mehr auf Charakterdarstellungen zu konzentrieren. Dies war die Geburtsstunde der Wichtel.“

Bis heute gibt es die Müller-Wichtel in drei Größen: in zirka 26 Zentimetern, der Darstellung eines etwa zweijährigen Kinds, in zirka 32 Zentimetern, was der Darstellung eines etwa vierjährigen Kinds entspricht sowie in zirka 35 Zentimetern Größe als Darstellung eines etwa sechsjährigen Kinds. Rosemarie Müller erzählt: „Seit 2009 fertigen mein Mann und ich unsere Müller-Wichtel aus Vinyl. Da sie im Preis günstiger sind als Porzellanwichtel, können wir mehr Kunden mit unseren beliebten Wichteln erfreuen.“ Denn das ist eine Herzensangelegenheit des Ehepaars Müller – anderen Puppenliebhabern mit ihren Unikat-Wichteln eine Freude zu bereiten. „Wir fertigen unsere original Müller-Wichtel für jeden Wichtellieb­haber und für die Händler aus verschieden Ländern an.“

Unikate mit Herz

Fragt man Rosemarie Müller nach ihren Ideen für die Wichtel, hat sie eine klare Antwort: „Ich liebe Kinder und möchte die unterschiedlichen Gesichtszüge und Stimmungen in meinen Puppen festhalten. Ich freue mich, wenn sie die Kraft und die Ausstrahlung haben, andere Menschen zu begeistern. Jeder Wichtel, der unsere Werkstatt verlässt, ist ein Einzelstück. Durch – bis jetzt 33 – unterschiedliche Köpfe, Perücken, Augen und Kleidung sind alle Wichtel verschieden. Es sind alles echte Jungs und Mädels, also anatomisch korrekte Darstellungen.“

Die Besonderheit der Müller-Wichtel ist schnell zu erkennen. „Sie werden geliebt“, so die Künstlerin, „weil sie sehr lebendig wirken und weil sie sich in die Herzen der Menschen schleichen.“ Der Leitspruch von Rosemarie Müller war und ist noch immer: „Wir möchten mit unseren Puppen die Menschen berühren und ihnen Freude schenken. Unser Slogan: Müller-Wichtel, Balsam für die Seele“. Und das bringt es auch auf den Punkt, was die kleinen Puppenwesen so charakteristisch macht. Außerdem sind sie handlich und lebensecht. Viele der Betrachter fühlen sich in ihre Kindheit versetzt und spielen auch mit den Puppen. Sätze wie: ‚Eure Wichtel müsste es auf Rezept geben‘ oder ‚Seit ich die Wichtel habe, habe ich wieder eine Freude im Leben‘ hört ­Rosemarie Müller des Öfteren. Es bestätigt sie in ihrer Arbeit. Die Menschen stricken, häkeln und nähen mit großem Enthusiasmus für ihre Wichtel und haben somit eine Beschäftigung, die ihnen sehr viel Spaß bereitet.

Pläne

Ihr Mann Willi Müller übernimmt bei der Anfertigung der Wichtel alle kraftaufwändigen Arbeiten wie beispielsweise den Formenbau, der immer noch benötigt wird, wenn neue Modelle gestaltet werden. „Er verwöhnt uns und unsere Mitarbeiter außerdem täglich mit einem sehr schmackhaften Mittagessen.“ Denn mit leerem Magen lässt sich bekanntlich schlecht arbeiten.

Bestellt werden können die Müller-Wichtel in der ganzen Welt. Die Kunden von Müller-Wichtel kommen zum Beispiel aus ganz Europa, Nord- und Südamerika, Russland und Australien. Mit der Firma Schildkröt haben sie einen Lizenz-Vertrag. „Sie fertigen einige Modelle unserer Wichtel in Eigenregie und beliefern Händler damit“, erklärt die Puppenkünstlerin.

Für die Zukunft haben Rosemarie und Willi Müller auch schon Pläne: „Seit zwei Jahren ist unsere Tochter Anna-Victoria bei uns eingestiegen und möchte in weiterer Zukunft die Produktion übernehmen. Mein Mann und ich, wir werden uns dann langsam zurückziehen und wollen mit unserem Wohnmobil reisen und die Ruhe genießen.“ Wer die Müller-Wichtel und ihre Macher persönlich treffen möchte, kann dies in diesem Jahr bei den Puppen-Festtagen in Eschwege und dem Internationalen Puppenfestival Neustadt und Sonneberg. „Außerdem haben wir am 13. Juli 2019 unser Wichtelfest zum 30. Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür.“

URL:
http://puppen-und-spielzeug.de/?p=12203

TEXT
Chiara Schmitz

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