PUPPEN & Spielzeug

2019-01-11 10:55:00

Winterzeit ist Stubenzeit

Ausgabe 01/19

Gedanken zur Winterauktion in Ladenburg

„Alles hat seine Zeit“, das war früher ein oft verwendeter Spruch, der auch in der Kindererziehung angewendet wurde. Bestimmte Spielsachen waren der Winterzeit vorbehalten, sie kamen Weihnachten, neu, ergänzt oder repariert, auf den Gabentisch und wurden mit dem beginnenden Frühling, wenn die Kinder draußen spielen sollten, wieder fort geräumt. Rechtzeitig zum Weihnachtsfest hatte nun das Auktionshaus in Ladenburg für die großen Kinder, für begeisterte Spielzeugsammler, nicht nur schöne Puppen, sondern auch ein paar zauberhafte Läden, Stuben und Küchen in einer Auktion angeboten, die perfekt in die Jahreszeit passen.

Oft höre ich Klagen über angeblich niedrige Preise für antike Puppen und altes Spielzeug. Das ist pauschal einfach nicht richtig. Sicher haben etliche Sammler inzwischen erkennen müssen, dass sie vor zwei, drei Jahrzehnten oft zu überhöhten Preisen eingekauft haben. Damals wurde voll Freude gesucht, wiederentdeckt, bewahrt und mit großem Nachholbedürfnis gesammelt, was Weltkriege teilweise zerstört, beschädigt oder verschüttet hatten. Inzwischen hat sich der Markt eingependelt, bewertet sachlicher, informierter und auch nach neuen Vorlieben. Und er eröffnet wieder realistische Kauf-Chancen, ist endlich auch wieder ein Käufermarkt. Es ist ein Markt, auf dem Sammler sich etwas Schönes gönnen können, ohne nahezu Haus und Hof zu verpfänden, ohne ein häusliches Drama zu provozieren oder sonst in Schwierigkeiten zu geraten. Es sind Preise, bei denen sich der Käufer wieder an seiner Erwerbung freuen kann.

Gut informierte Bieter

Doch die Preise sind nicht einfach nur durch die Bank gesunken. Sie sind dem jeweils aufgerufenen Stück vor allem angemessener geworden. „Für besondere Stücke werden unverändert durchaus hohe Preise erzielt“, bestätigt Götz Seidel von der Ladenburger Spielzeugauktion GmbH. „Die Käufer sind heute sehr gut informiert. Massenware oder beschädigte Teile bleiben billig. Seltene Teile oder besonders schön erhaltene Exponate werden immer gesucht und gut bezahlt. Dazu kommen neue Sammelinteressen, wie zum Beispiel rare Stücke aus den 1950er-Jahren.“ Spannend ist, dass sich auch die weltweite Vernetzung auf das Sammlerverhalten auswirkt. Heute weiß nicht nur jeder Interessent, wo eventuell ein gesuchtes Exemplar angeboten wird, sondern auch das Publikum ist bei jeder Auktion international. Am Telefon bieten konnte man ja schon seit Jahrzehnten, aber inzwischen eröffnet das Internet Bietermöglichkeiten über alle Grenzen hinweg.

„Bei einer Auktion haben wir zumeist zwischen 300 bis 400 Interessenten vor Ort, die die Auktion mit einem reizvollen Wochenende verbinden“, berichtet der erfahrene Auktionator Seidel weiter. „Wir haben aber auch 400 bis 500 schriftliche Gebote, Telefonbieter und außerdem ungefähr 400 Interessenten im Internet.“ Das öffnet gleichsam die Türen und Fenster eines jeden Auktions-Saals zur ganzen Welt – spannende Möglichkeiten heutzutage. Nicht zuletzt dadurch sind die Käufer eben auch sehr gut informiert. Dies alles führt zu Preisen, die sehr realistisch durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Auch wenn dies nicht allen gefällt. Aber den Käufern ermöglicht es, sich die eine oder andere Freude zu gönnen, die eine liebenswerte Spielerei ist, die schönes Altes bewahrt, ein wenig für jeden die Tür in vergangenes Kinderland öffnet – ohne zugleich Unsummen zu verschlingen.

Schöne Läden, gemütliche Küchen

Wenn dann die eine oder andere kleine Kostbarkeit zum Aufruf kommt, wie zum Beispiel das wunderbare Konvolut perfekter Jugendstil-Puppenmöbel bei der Weihnachtsauktion in Ladenburg, dann greifen die Interessenten bereitwillig tiefer in die Tasche. Wissen sie doch, wie selten und wert zu bewahren diese kleinen Zeitzeugnisse sind. Ähnlich verhielt es sich mit dem entzückend ausgestatteten Spielzeugladen und dem schönen Kaufladen, der neben dekorativ beschrifteten Schüben sogar eine Türe auf der Rückseite hat, die den etwas zu groß geratenen ­Verkäuferinnen notfalls die Flucht ermöglicht. Beide wurden jeweils für sehr erschwingliche und vor allem angemessene 700,– Euro zugeschlagen.

Wer sich für Kinderbücher voriger Jahrhunderte interessiert, kann auf solchen Auktionen zuweilen richtige Vergleichsstudien anstellen. Eine ganze Reihe von alten „Struwwelpeter“-­Ausgaben und –weit spannender noch – „Struwwelpeter“-Variationen konnte man auf der Ladenburger Auktion finden. Geschichten über „Struwwelliese“ und vor allem auch ein „Struwwelpeter“ mit militärischen Erziehungsabsichten offenbaren deutlich und erschreckend den Erziehungsstil vor 100 Jahren.

Küchen hingegen waren das perfekte Mädchen-Spielzeug für die Zeiten, wenn es draußen ungemütlich und kalt war. Eine ganze Reihe sehr schöner Küchen wechselte in Ladenburg den Besitzer. Und ich muss zugeben, dass ich sehr bedauere, nicht rechtzeitig die Küche entdeckt zu haben, die vollgestellt mit dem seltenen roten Emaille Chaos und Gemütlichkeit ausstrahlt. Für diese Auktion war es nun leider zu spät, aber die nächste Auktion wird kommen und sie wird wieder Schönes bringen.

URL:
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TEXT
Sabine Reinelt

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