PUPPEN & Spielzeug

2018-11-06 10:14:38

Weihnachtsgrüße

Ausgabe 06/18

Winterliche Postkarten mit Käthe Kruse-Puppen

Viele Menschen auf die unterschiedlichsten Wege erreichen und ganz nebenbei eine erfolgreiche Marketing-Botschaft überbringen: Wofür heutzutage hochbezahlte Spezialisten und innovative Agenturen sorgen sollen, das hatte Käthe Kruse ganz einfach im Blut. Zeugnis davon legen unter anderem winterliche Postkarten-Motive ab, mit denen die Puppen aus Bad Kösen in alle Welt verschickt wurden.

Weihnachtspuppen – genau das waren die ersten ausgestellten Puppen von Käthe Kruse in der vorweihnachlichen Ausstellung „Spielzeug aus eigener Hand“ im Warenhaus Tietz („Herti“). Und genau so war auch der erste Artikel in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ überschrieben, in dem 1911 die Puppen von Käthe Kruse – zusammen mit den Werken von Marion Kaulitz – vorgestellt wurden.

Instinktives Marketing

Käthe Kruse kam bekanntlich vom Theater, sie war Schauspielerin, als sie den viel älteren Bildhauer Max Kruse kennen und lieben lernte. Kein Wunder also, dass sie von Anfang an ihre Puppen in niedlichen Szenen dekorierte, sie ein Theater aufführen ließ und wenig verwunderlich auch, dass ihre Puppen sehr schnell ein Eigenleben in Büchern und auf Postkarten entwickelten. Die vielseitig künstlerisch begabte junge Frau brauchte keine Ausbildung in Design und Werbung, sie musste nichts lernen über Corporate Identity – sie wusste instinktiv wie es geht und wie
„die hochverehrte Kundschaft“ angesprochen werden wollte. Bereits Anfang und Mitte der 1920er-Jahre entstanden entzückende kleine Bildergeschichten vom Alltag ihrer Puppe I und vom Schlenkerchen bei „Sport und Spiel“.

Weihnachten war eine besondere Hoch-Zeit für Käthe Kruse – und natürlich auch für ihre Puppen. Schon die ersten „Froschhandpuppen“ zeigte sie in weihnachtlicher Umgebung mit Engel und Weihnachtsbaum. Ein Jahrzehnt später gab sie ganze Serien in Auftrag, die in Farbe und mit ganz sparsamen Mitteln sehr stimmungsvoll die Winterzeit einfingen. Man meint fast, die stille, weite, weiße Winterlandschaft zu spüren, wenn sie nur zwei Puppen unter zwei Regenschirmen zeigt – mit dem Rücken zum Betrachter. Oder mit dem kleinen wartenden Rodler zu frieren, einfach großartig.

Botschafter

Die Käthe Kruse Postkarten waren so beliebt, dass sie – man kann das an Hand der Texte der Karten feststellen – von Erwachsenen an Erwachsene verschickt ­wurden. Und so trugen sie die Botschaft von „der richtigen Puppe“ hinaus in die weite Welt – und das nicht nur zur Winterzeit, dann aber ganz besonders.

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TEXT
Sabine Reinelt

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