PUPPEN & Spielzeug

2018-07-21 09:36:05

Kunst verbindet

Ausgabe 04/18

Jader Aslan und sein langer Weg zur Puppenkunst

Er hat in seinem Leben schon viel erlebt. Weit mehr, als die meisten Menschen hierzulande erleben. Besser gesagt: erleben müssen. Aufgewachsen als Teil der verfolgten kurdischen Minderheit im Nordirak raubten ihm Flucht, Vertreibung und Not einen großen Teil seiner Kindheit. Heute ist Jader Aslan in Deutschland zuhause – und hat das Puppenmachen für sich entdeckt.

Sein Name war die große Überraschung in der Siegerliste der German Open, die im Rahmen des Puppen- und Bärenfestivals im SonneBad im thüringischen Sonneberg ausgetragen wurden. Jader Aslan ist nicht nur einer der wenigen Männer, die als Puppenmacher an Wettbewerben teilnehmen. Sein Werdegang vom interessierten Beobachter zum aktiven Künstler ging geradezu rasant vonstatten.

Vollwaise

Geboren wurde Jader Aslan im Norden des Irak. Als Angehöriger der kurdischen Minderheit musste er von klein auf miterleben, wie seine Familie den Repressalien des sunnitischen Regimes von Diktator Saddam Hussein ausgesetzt war. Seine Familie war ständig auf der Flucht, im Alter von 10 Jahren verlor er beide Eltern. Als Vollwaise schlug er sich gemeinsam mit seinen Geschwistern durchs Leben, schuftete auf dem Bau, als Koch, beim Frisör oder beim Schneider. Und schon damals spielten Puppen eine Rolle. So sparte er sich von den knappen Essensrationen im Flüchtlingscamp nach­­einander Reiskörner im wahrsten Sinne des Wortes vom Munde ab. Er wollte seinen Schwestern eine Freude machen, nähte aus Stoffresten Puppen von Hand, die er mit dem sorgsam gehüteten Reis füllte.

Später führte ihn seine Flucht nach Deutschland, genauer gesagt nach Jena. Und wie der Zufall es so wollte, fand er ganz in der Nähe der Puppenkünstlerin Regina Swialkowski eine neue Heimat. Man lernte sich kennen, war sich sympathisch und durch die gemeinsame Freude an Puppen verbunden. Jader Aslan ist ein offener, angenehm neugieriger Mensch. Und er hat den Ehrgeiz, Dinge auszuprobieren. So beließ er es nicht dabei, Regina Swialkowski beim Modellieren oder Rooten über die Schulter zu schauen. Er wollte all das selber ausprobieren.

Großer Ehrgeiz

Dass er handwerkliches Geschick mit künstlerischem Gespür vereint, merkte man schnell. Dazu kam sein Wille, mehr über die Szene sowie die Kunstform Puppe zu erfahren. So begleitete er Regina Swialkowski zu den Börsen in Sonneberg und Eschwege, suchte den Kontakt zu Ausstellern und Sammlern. Vor allem die Wettbewerbe interessierten ihn. Und nach jedem Event war sein Ehrgeiz noch größer, ging er noch engagierter daran, seine Fähigkeiten in puncto Puppenmachen zu verbessern.

Eine entscheidende Wendung nahm seine künstlerische Laufbahn, als ihm seine Neffen Bilder von ihren Kindern in kurdischer Nationaltracht schickten. Diese brachten ihn auf die Idee, einen kleinen kurdischen Jungen und ein Mädchen zu kreieren. Inspiriert wurde er zudem von einer Geschichte, die er in seiner Kindheit oft gehört hatte. Darin ging es um einen Jungen und ein Mädchen, die über eine tausend Jahre alte Brücke gehen wollten. Doch darüber konnten nur Menschen mit einem guten, reinen Herzen gehen. Andernfalls würde die Brücke zusammenbrechen. So entstand sein kurdisches Kinderpuppen-Paar. Den Jungen nannte er Siver, das Mädchen Perwin.

Überraschungserfolg

Diese beiden Puppen waren es, mit denen er an den German Open 2018 in ­Sonneberg teilnahm. Und wahrscheinlich war niemand erstaunter als er selbst, als er nicht nur die ersten beiden Plätze in der Kategorie Kleinkindpuppen, Beginner belegte sondern zudem aus den Händen des Coburger Landrats Michael Busch auch den eigens ausgelobten Creativ-Preis in der Kategorie Reborn erhielt. Ein fantastischer Erfolg, der Jader Aslan weiteren Auftrieb und frische Motivation für seinen weiteren Weg als Puppenkünstler schenkte.

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Regina Swialkowski

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