PUPPEN & Spielzeug

2017-11-02 13:20:19

Leidenschaftlich kreativ

Ausgabe 06/17

Herausragende Porzellanpuppen von Hiltrud Schwing

Hiltrud Schwing hat sich in der Szene mit ihren herausragenden Porzellanpuppen, die stets in selbstdesignte Ensembles gekleidet sind, einen Namen gemacht. Auf den großen deutschen Szene-Events wie dem Internationalen PUPPENfrühling in Münster und den Puppen-Festtagen in Eschwege ist ihr Stand stets gut besucht.

Als ihre drei Töchter erwachsen waren, nutzte Hiltrud Schwing die neu gewonnene Freizeit, um sich intensiv in die Thematik des Puppenmachens einzuarbeiten. „Das war aber natürlich nicht die erste kreative Tätigkeit, die ich ausgeübt habe“, erklärt die Puppenmachern. „Bereits einige Jahre vorher habe ich mit großer Begeisterung Seidenmalerei betrieben, gewebt, geflochten und Teddys sowie Waldorfpuppen genäht.“ Noch in diese Zeit fällt ihr erster Besuch der Doll-Art in Frankfurt am Main. „Ich war von den Künstlerpuppen, Exponaten sowie Skulpturen fasziniert und hatte den Wunsch, solche Puppen selbst herzustellen.“ Schon bald hatte Hiltrud Schwing Gelegenheit dazu. Sie nahm an einem Kurs zur Herstellung von Porzellanpuppen teil und war fasziniert. „Die Freude über die erste gelungene Reproduktion war der Auslöser, mich ganz diesem Hobby zu widmen.“ Sie investierte viel Energie und Zeit, um ihr Können zu perfektionieren und ihre Kenntnisse der Materie sukzessive auszubauen.

Eigene Kunst

Wie vielen anderen Künstlern, die über das Fertigen von Reproduktionen mit der Puppenkunst in Berührung kamen, reicht es Hiltrud Schwing bald nicht mehr aus, nur bestehende Dinge wiederzugeben. Sie wollte sich selber kreativ entfalten und Persönlichkeiten nach eigenen Ideen und Vorstellungen verwirklichen. „Ich habe mich eingehend mit verschiedenen Werkstoffen auseinandergesetzt und unter anderem mit Cernit, Fimo, Modelene und Ton experimentiert“, erklärt die Künstlerin. Hinzu kam ein ausführliches Studium menschlicher – vor allem kindlicher Anatomie.

„Dabei zeigte sich schnell, dass mir das Modellieren mit Ton besonderen Spaß macht und auch für mich die besten Darstellungsmöglichkeiten bietet. Das hatte zur Folge, dass ich mich intensiv mit dem Bauen von Gipsformen auseinandersetzen musste“, erzählt Hiltrud Schwind. „Das Herstellen einer Künstlerpuppe ist immer eine große Herausforderung, ein spannendes Unterfangen, auf das ich mich mit großer Freude einlasse.“ Schließlich ist der gesamte Entstehungsprozess sehr komplex, vielseitig und bietet eine Fülle gestalterischer Möglichkeiten. „Alle Arbeitsschritte vom Entwurf über die Modellierung, das Schleifen der Porzellanteile, die Bemalung bis zum Entwerfen und Nähen der Kleidung werden von mir allein ausgeführt“, erklärt Hiltrud Schwing nicht ohne Stolz.

Das Modellieren

Ihre liebste Tätigkeit beim Fertigen von Puppen ist das Modellieren. Dafür zieht sie sich in ihr Atelier zurück und genießt die inspirierende Atmosphäre in dem liebevoll eingerichteten Raum, umgeben von ihren Puppen. „In dieser Oase der Ruhe kann ich alles um mich herum vergessen – die Zeit bleibt stehen – und so arbeite ich oft bis spät in die Nacht“ erzählt die Künstlerin. In dieser Schaffensphase setzt Hiltrud Schwing alles daran, ihre Ideen und Vorstellungen umzusetzen. Und jedes Kindergesicht, das unter ihren Händen Gestalt annimmt, übt auf die Puppenmacherin einen ungeheuren Reiz aus.

„In die Gesichter setze ich bereits in einem frühen Stadium die Augen ein und sobald mich das Gegenüber ansieht, entwickelt sich zu dem werdenden Geschöpf eine enge Beziehung.“ Hier ist natürlich detailgenaues und präzises Arbeiten erforderlich. Die Künstlerin weiß nur zu gut, dass es manchmal nur winzige Nuancen sind, die den Gesichtsausdruck völlig verändern. „Erst wenn das Ergebnis meinen Vorstellungen entspricht, bin ich zufrieden. Ich empfinde es immer als ein kleines Wunder, wenn es mir gelungen ist, aus einem grauen Stück Ton ein Wesen entstehen zu lassen, dem ich einen eigenen Charakter und eine Seele verleihen kann.

Fertigungsprozess

Auf das Modellieren folgen die typischen Arbeitsschritte, bis die Puppe fertig ist. Nach dem Schleifen der Rohlinge folgen zum Beispiel die individuelle Bemalung mit ihren Farbbränden und nicht zuletzt das Entwerfen und Nähen der Kleidung sowie das Designen von Accessoires, die das Wesen der Puppe mit hervorheben. Inspiration erfährt die Künstlerin dabei vor allem durch Fotos ihrer Kinder und Enkelkinder.

Auf diese Weise entstehen im Atelier von Hiltrud Schwing eine Vielzahl wundervoller Baby- und Kinderpuppen in unterschiedlichen Größen. Hinzu kommen Erwachsenendarstellungen, Märchenszenen, ethnische und Porträt-Puppen. „Bei Letzteren kommt es nicht nur auf das künstlerische Talent, sondern auch auf handwerkliche Fähigkeiten an. Hier ist präzises Arbeiten sehr wichtig“, weiß Hiltrud Schwing. „Denn es muss nicht nur die Ähnlichkeit der Gesichtszüge, sondern auch der Charakter und die Persönlichkeit der Puppe herausgearbeitet werden. Dies ist mir am besten mit zwei Portraitpuppen meiner Töchter gelungen, die 2001 und 2002 in Bregenz einen Eurodoll-Sieg errungen haben.“ Wer sich die Kreationen von Hiltrud Schwing genauer ansehen möchte, hat in diesem Jahr in Eschwege auf den Puppen-Festtagen Gelegenheit dazu.

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TEXT
Tobias Meints

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