PUPPEN & Spielzeug

2016-07-08 10:17:01

Schön wie am ersten Tag

Ausgabe 04/16

140-jähriges Mannequin von Gaultier

Die großen Namen der französischen Puppenhersteller haben für Sammler und Enthusiasten einen zauberhaften Klang. Und einen durchaus teuren. Einer dieser Namen ist Francois Gaultier. In dessen Fertigung entstanden wundervolle Kreationen, Mannequins, Puppen für Erwachsene. Heute sind sie gesuchte Raritäten, für die sehr hohe Preise aufgerufen werden.

Stellen wir uns eine Zeit vor, in der es nur wenige Modezeitschriften gab und keine Mannequins, die um die Welt reisen? Jedenfalls keine lebendigen? Stattdessen bediente man sich der Puppen. Und zwar keineswegs nur der Puppen, die zum Spielen für die Kinder bestimmt waren. Die waren kleiner, handlich für Kinderhändchen und -ärmchen. Auch diese Puppen waren zwar in gewisser Weise Modebotschafter und trugen aufwändige – sehr unpraktische – Kleidung. Aber neben diesen kleineren Erziehungsgehilfen gab es wenige andere Puppen, die für die Damen des Hauses bestimmt waren.

Die ersten Mannequins

Solche Puppengestalten für die Erwachsenen wurden in nur wenigen Stückzahlen hergestellt. Deshalb findet man sie heutzutage sehr selten, meistens in Museen oder in berühmten, umfangreichen Sammlungen. Diese Puppen waren sehr groß, absolut untauglichen für das Spiel kleiner Kinder. Sie standen in den Boudoirs wohlhabender Damen und wurden auf das Genaueste nach der neuesten Pariser Mode gekleidet. Wenn solche Puppen in vollständiger Originalbekleidung die Stürme der vergangenen 100 bis 150 Jahre unbeschädigt überstanden haben, ist das eigentlich eine kleine Sensation, die natürlich entsprechend selten vorkommt.

Diese Puppe ist solch ein seltenes Exemplar. Sie ist stolze 84 Zentimeter groß – ohne Hut gemessen – und von Kopf bis Fuß in dem Zustand, in dem sie etwa um 1870 hergestellt wurde. Sie hat den bekannten Kurbelkopf, der auf einer Porzellanbrustplatte aufsitzt. Die Paperweight-Augen sind feststehend, der Mund ist geschlossen und der Ausdruck ist freundlich, fast ein wenig strahlend. Die Echthaarperücke hat eine beneidenswerte Länge, in langen Locken fällt die Haarpracht den Rücken hinunter. Der Körper ist aus Ziegenleder, die Hände mit einzelnen geformten Fingern versehen, die sich dank einer „drahtigen“ Innenkonstruktion früher oft bewegen ließen. Jetzt sind sie etwas alterssteif und müssen mit größter Vorsicht behandelt werden. Heute halten die Hände eine dekorative Uhr, die gleichsam als Schmuck an einer langen Kette um den Hals hängt.

Dame von Welt

Die Kleidung ist aufwändig, versehen mit gefältelten Kantenabschlüssen, Bordüren, Quasten, Schleifen und stoffbezogenen Knöpfchen. Alles sehr kleidsam und teuer, aber nicht protzig. So ging die Dame von Stand am Nachmittag auf einen kurzen Spaziergang oder zum Tee zu einer Freundin. Perfekt, makellos und elegant. So ist auch diese rare Puppe, die aussieht, als stamme sie geradewegs aus einem Salon oder einem Museum.

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TEXT
Sabine Reinelt

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