Exklusives Blechspielzeug aus der Manufaktur Horn

Knowhow von 30 Berufen

31. August, 2018 - Kategorie: Aktuell, Puppenwelten
Exklusives Blechspielzeug aus der Manufaktur Horn

Die Herstellung von Blechspielzeugen war schon immer ein aufwändiger Vorgang. Im 19. Jahrhundert waren bis zu 30 Experten mit unterschiedlichen Berufen nötig, um ein Stück zu fertigen. Dieses Knowhow vereinen Claudia und Erich Horn in sich. In ihrer Manufaktur entsteht neues Spielzeug im Stil des 19. Jahrhunderts.

Leuchtende Augen bekommen große und kleine Kinder, wenn sie das Blechspielzeug der Manufaktur Horn erblicken: Allerliebst ist der Zirkus anzuschauen, das Karussell dreht sich zu einer lustigen Melodie, die Häuser schimmern in sanften Farben. Was hier zu sehen ist, ist mehr als nur schön: es ist echte Handarbeit und echte alte Handwerkskunst.

Leidenschaftlich

Claudia und Erich Horn bauen seit einigen Jahren Blechspielzeug im Stil des 19. Jahrhunderts. Man könnte meinen, es seien tatsächlich alte Blechspielzeuge, die die beiden restauriert haben. Aber Erich Horn betont: „Es sind unsere Kreationen.“ Ein echtes Horn-Spielzeug hat seine eigene Prägung, sowohl von der Machart als auch vom Firmenstempel.

Blechspielzeug ist die Leidenschaft der beiden Restauratoren. Schon früh kaufte sich Claudia Horn auf Flohmärkten altes Spielzeug und setzte es Instand. Erich Horn verbrachte einen großen Teil seiner Kindheitsferien in Spielzeugläden und versuchte zu ergründen, wie er sich solche Spielsachen selbst bauen könnte. Beide haben als Grundberuf einen grafischen Beruf erlernt und in diesem auch gearbeitet. Das Faible für altes Blechspielzeug verbindet Claudia und Erich Horn, darüber haben sie sich kennengelernt. Seit vielen Jahren arbeitet das Ehepaar gemeinsam in diesem Bereich.

Beruf und Berufung

Blechspielzeug-Restauratoren – so nennen sich die Horns, fragt man sie nach ihrem Beruf. Den freilich kann man so gar nicht erlernen, sondern dieser Beruf muss sich hart erarbeitet werden. Sie sind einige der ganz wenigen in Europa, die diese Kunst in dieser Perfektion beherrschen. Die Blechspielzeugbauer früherer Zeiten haben ihre Geheimnisse nicht aufgeschrieben und hinterlassen. Erich Horn berichtet, er habe, um an die Zusammensetzung der früher verwendeten Lacke zu kommen, viele Jahre mit Harzen und Pigmenten experimentiert. Man merkt ihm an, er hat Freude und große Ausdauer im Nachvollziehen der Materialien und Techniken, die damals zur Anwendung kamen.

Claudia Horn bekennt eine große Liebe zu den Farben: Viele Jahre habe es gebraucht, bis sie die Lacke, die sie für Blechspielzeuge verwenden, perfekt entwickelt hatten. Diese fertigen sie, wie vor 100 Jahren üblich, mit Harzen, verschiedenen Ölen und Pigmenten an. Damit erzielt sie die typische, mit heutigen Lacken nicht mehr erreichbare Lebendigkeit und die für altes Blechspielzeug unvergleichliche, farbliche Brillanz.

Knowhow

Es duftet ganz köstlich in der Werkstatt der beiden: Elemi, ein Lackharz, wird auch als Räucherware genutzt und bringt weihnachtliche Düfte ins Haus. Claudia Horn öffnet einen Schrank. Zum Vorschein kommt eine große Anzahl verschiedener Harze, die als Grundlage für die Lackfarben der Blechspielzeuge genutzt werden. „Jedes Pigment reagiert anders auf die Harze“, weiß Claudia Horn. Es sind viele Arbeitsprozesse erforderlich, bis endlich das Blechspielzeug im Flair des 19. Jahrhunderts erstrahlt.
Claudia und Erich Horn arbeiten eigentlich und seit vielen Jahren als Restauratoren: Altes Spielzeug wird mit neuem Glanz versehen, sämtliche fehlenden Teile rekonstruiert. In einer unglaublichen Perfektion und mit unendlicher Geduld sitzen die beiden teils monatelang an den Arbeiten. Irgendwann kam der Wunsch, eigenes Spielzeug im Stil dieser Zeit zu bauen. Vom Entwurf bis hin zu den fertigen Stücken vergingen Jahre und bedurften vieler einzelner Arbeitsschritte.

„Früher waren dafür bis zu 30 verschiedene Berufe erforderlich“, erklären die beiden. Damals waren neben Grafikern und Mustermachern auch Flaschner, Blechdrücker, Schlosser oder auch Lackhersteller notwendig. „Wir machen und können das alles selbst“, sagt Erich Horn und man merkt ihm an, er ist stolz auf das Können seiner Frau und seiner selbst.

Preisfrage

Diese enorm aufwendigen Arbeiten haben natürlich ihren Preis. Doch auch das ist im Kontext von Blechspielzeug nichts Neues: Früher leisteten sich die Wohlsituierten das handlackierte Spielzeug, während sich die weniger Begüterten mit maschinell hergestellten, lithographierten Pennytoys begnügen mussten.

Die Werke des Ehepaars sind, so betonen sie, keine Kinderspielzeuge im ursprünglichen Sinn, sondern exklusive Sammlerstücke. Da die Horns kein Ladengeschäft haben, sind diese Dinge nur auf Ausstellungen, Fachmessen oder auf ihrer Website zu betrachten.

Erich und Claudia Horn sind echte Perfektionisten. Zufrieden geben sich die Spielzeugmacher erst, wenn alles stimmt. 18 Monate arbeiteten beide an den zahlreichen Reinzeichnungen der vielen verschiedenen Nassschiebebilder für die Eisenbahnzubehör-Fabriken. Der Einfall des Lichts an den aufgemalten Fenstern forderte Claudia und Erich Horns ganzes Können. Dann stimmte jedes Detail: Unglaublich lebendig wirken die Gebäude und laden das Auge zum ausgiebigen Betrachten ein.

In dieser Perfektion steht jedes Stück da: Der kleine, diffizil gearbeitete Zirkus­wagen ist wunderschön koloriert und erzählt obendrein noch eine Geschichte. Gegenüber dem Zirkusdirektor sitzt eine Bewerberin, die eben von ihrem Können erzählt und um eine Anstellung bittet. Der zu unterschreibende Vertrag liegt vor ihr bereit. „Es hätte so sein können“, sagt Erich Horn und betont, wie wichtig es für ihn ist, sich in die damalige Zeit hinein­zuversetzen, um Spielsachen im Stil dieser Zeit kreieren zu können. Das gehört für ihn neben all dem anderen als ganz wesentliche Sache zu einem gelungenen Blechspielzeug im Stil des 19. Jahrhunderts.

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