Außergewöhnliche Sammlung von Margot Kraiting

100 Repro-Puppen

5. Juli, 2019 - Kategorie: Aktuell, Puppenwelten
Außergewöhnliche Sammlung von Margot Kraiting

Seit 40 Jahren fertigt Margot Kraiting bereits Reproduktionen historischer Puppen an. Dass in dieser langen Zeit einiges an Werken zusammenkommt, leuchtet ein. Doch mittlerweile sind es beachtliche 100 Repro-Puppen, die die Künstlerin aus dem Rhein-Sieg-Kreis angefertigt hat.

„Dabei stelle ich die Kleidung ausschließlich aus alten Materialien her“, so Margot Kraiting. Dazu besuchte sie Trödelmärkte in Deutschland, London und Paris. „Dort fand ich viele alte Materialien und Accessoires, die die Puppen so echt aussehen lassen.“ Kreativität schöpft sie dabei immer wieder aus ihrem reichen Fundus an alten Materialien. „Dabei habe ich immer eine bestimmte Vorstellung, was ich mit dem Kleid ausdrücken möchte.“ Und auch sonst macht die Künstlerin alles an ihren Puppen selbst: Vom Gießen, Brennen über das Malen und Einkleiden. So sind mittlerweile nicht nur 100 Repro-Puppen, sondern auch 100 verschiedene Kleider, Hüte, Schuhe und Strümpfe sowie Unterwäsche entstanden. „Damit meine Ladys eine schmale Taille aufweisen, stelle ich alle Lederkörper und den passenden Ständer dazu selbst her.“

Anspruch an sich selbst

Das wichtigste für Margot Kraiting: Authentizität und Qualität. „Das ist mein hoher Anspruch an mich selbst. Um die Authentizität zu erreichen, nehme ich Malanleitungen und gute Abbildungen aus meiner umfangreichen Literatur zur Hilfe.“ In den ersten Jahren ihres Schaffens stellte die Puppenkünstlerin die typischen Werke mit kindlichem Aussehen her. „Ich wollte mich aber weiter entwickeln. Da ich mich sehr für historische Kleidung interessiere, lag es nahe, mir Gipsformen mit einem damenhaften Gesichtsausdruck anzuschaffen.“ Und so legte Margot Kraiting sich beispielsweise die Formen S&H 1159 und Bru-Fashion zu. Eingekleidet werden die erwachseneren Puppen dann nach Abbildungen aus Kostümbüchern und dann exakt nach vorhandenen, authentischen Schnittmustern genäht.“ Diese Liebe fürs Detail ist unübersehbar, wenn man sich die Puppen von Margot Kraiting ansieht. Die aufwändig gestaltete Kleidung lässt die Repro-Puppen in einem besonderen Glanz erstrahlen.

Angefangen hat die Leidenschaft der Puppenliebhaberin für diese zauberhaften Wesen bereits in der Kindheit. „Alle Arten von Handarbeiten waren schon damals meine Leidenschaft.“ Doch für sie gab es keine Entfaltungsmöglichkeiten, weswegen sie zunächst in den „nüchternen Beruf als Steuerberaterin gerutscht“ ist. 1984 war es dann doch endlich soweit: Im Westerwald bei der Puppenmacherin Diethild-Marei Seyd, die seinerzeit eine Vertreterin der Firma Wanke war, fertigte Margot Kraiting ihre erste Puppen an. „Sie hieß Hilda. Seitdem hat mich der Puppenvirus nicht mehr losgelassen und in mir wieder alle kreativen Sinne geweckt.“ Doch auch weitere Kurse besuchte die Puppenkünstlerin bei Karin Buttigieg in Hamburg. Doch damit nicht genug mit der Weiterbildung: „Auch alle Gildebriefe habe ich studiert“, berichtet Margot Kraiting.

Vielseitigkeit und Nostalgie

Dabei fasziniert sie nach all den Jahren immer noch, welche vielseitigen Fertigkeiten ihr abverlangt werden: „Vom Friseur bis zum Schuster, man ist alles in einem“, so Margot Kraiting. Und das Abtauchen in alte Zeiten – das bereitet der Künstlerin besonders viel Freude. Die Herstellung der Puppen ist nur ihr privates Hobby: „Ich habe keinerlei wirtschaftliche Interessen. Nach so vielen Jahren ‚im stillen Kämmerlein‘ möchte ich auch anderen mal meine schönen Kreationen zeigen.“ Und die Betrachter dazu anregen, sich auch diesem schönen Hobby zu widmen.

Doch dass dieses auch seine Zeit in Anspruch nimmt, weiß Margot Kraiting auch. „Ich stecke viel Zeit in meine Puppen, seitdem ich nicht mehr berufstätig bin. Wenn ich die vielen Arbeitsschritte überdenke, wundere ich mich selbst, dass es so viele Puppen geworden sind.“ Und auch in Zukunft möchte die Künstlerin an weiteren Puppen arbeiten – mittlerweile ist sogar die 101 Puppe fertig. Eine Lieblingspuppe hat sie dabei nicht. Gefallen tun ihr aber besonders die, die sie für gut gelungen hält – der künstlerische Anspruch an sich selbst ist ihr stets erhalten geblieben.

Margot Kraiting möchte ihre Sammlung an Repro-Puppen nun allerdings gerne in vertrauensvolle Hände abgeben und ein neues Zuhause für sie finden. Deswegen ist sie auf der Suche nach einem Museum oder einer anderen Institution, die ihre Sammlung, einschließlich passender Antiquitäten, kostenlos übernehmen möchte. Interessenten können sich per E-Mail unter margot-kraiting@t-online.de melden. Dann hätten auch andere Puppenliebhaber die Möglichkeit, diese wundervollen Werke zu betrachten.

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