Kindheitstraum

Ute Lutz und ihre Repro-Puppen

8. März, 2012 - Kategorie: Aktuell, Puppenwelten
Kindheitstraum

Auch wenn die Faszination für Puppen häufig bereits in jungen Jahren existiert, beginnen Künstlerkarrieren im Normalfall erst im Erwachsenenalter. Bei Ute Lutz war das ganz anders. Schon als kleines Mädchen wollte sie unbedingt tiefer in die Thematik einsteigen. Der Auslöser dafür war eine ganz spezielle Puppe ihrer Mutter, die ihre Kindheit entscheidend mitprägte.


Eine antike Puppe, die ihrer Mutter gehört hat, ist der Ausgangspunkt für die spätere Künstlerkarriere von Ute Lutz. Das 70 Zentimeter große Objekt hat im Zweiten Weltkrieg seinen Kopf eingebüßt. Das Haupt aus Porzellan war zerbrochen und in den Wirren der Zeit verlorengegangen. „Schon als Kind hatte ich mir vorgenommen, diesen Puppenkopf irgendwie und irgendwann zu ersetzen. Allerdings ohne eine genaue Vorstellung, wie das eigentlich passieren sollte“, erklärt die Künstlerin. Als junges Mädchen spielte Ute Lutz hauptsächlich mit Puppen. „Ich glaube, davon ist mir einfach ein Teil im Herzen geblieben.“

Startschuss
Ihre Puppenmacherlaufbahn begann im Jahr 1986. Ute Lutz besuchte eine Börse in Salzburg und lernte dort Carol Stanton kennen. Die Mitbegründerin der Global Doll Society (GDS) klärte die angehende Künstlerin über die Reproduktion von Porzellan­puppen auf. Diese Begegnung veranlasste Ute Lutz dazu, einen Kurs in Wien zu besuchen. Sie machte schnell Fortschritte und liebte die neue Tätigkeit. „Die Arbeit ist sehr vielseitig und verlangt viel Konzentration. Dabei kann ich alles um mich herum vergessen“, erläutert sie. „Wenn dann ein Puppenkind fertig vor mir steht, freue ich mich sehr und bin stolz auf das Erreichte.“
Inspirationen holt sich Ute Lutz mit Vorliebe in Puppenmuseen. Außerdem durchforstet sie Bücher und Zeitschriften, bis sie auf eine antike Puppe stößt, die ihr besonders gefällt. Nicht selten entsteht in Anlehnung an das Gesehene eine Reproduktion. Die Fertigstellung des Projekts dauert in der Regel drei Monate.

Durch ihre Arbeit als Reprokünstlerin ist sie auf den Werkstoff Porzellan festgelegt. Schließlich ergibt es keinen Sinn, Puppen des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts nachzubilden, ohne auch das ursprüngliche Material zu verwenden. Freiheiten hat sie hingegen bei der Wahl ihrer Accessoires. „Sie sind das Tüpfelchen auf dem i“, meint Ute Lutz. Hierbei kann es sich um Taschen, ­Schirme, Muffs, Stolen oder auch filigranen Schmuck handeln.

Hobbyistin
Für die gelernte Pharmazeutin ist die Reproduktion von Puppen lediglich ein Hobby. Zwar verkauft sie gelegentlich eines ihrer Kunstwerke, im Großen und Ganzen fertigt sie die Puppen jedoch für sich selber. „Den Produktionsstress bei Auftragsarbeiten kann ich in meinem Alltag nicht unterbringen. Daher besiedeln die meisten meiner Geschöpfe unsere Wohnung“, erklärt sie lächelnd und fügt hinzu: „Ich hoffe, gesund zu bleiben, um noch genügend Zeit für viele deutsche und französische Puppen, Ladies und Googlies zu haben, deren Formen darauf warten, in Porzellan gegossen und bearbeitet zu werden.“ An Künstlerpuppen möchte sie sich in absehbarer Zeit nicht versuchen. „Zum einen fehlt mir dazu die Zeit“, erklärt Ute Lutz, „zum anderen habe ich nicht die nötige Ausbildung.“

Mit jeder Reproduktion vervollkommnet sie ihre Kunst weiter. Dies zeigte sich in beeindruckender Weise auf dem Kongress der Global Doll Society 2011 in Hanau. Sie gewann in der Sektion „Klassische Reproduktionen nach antikem Vorbild“ in sieben von acht Kategorien einen Gold-Award. Zudem zeichnete die Society sie gleich mehrfach mit dem Kostüm- sowie dem Publikumspreis aus. Eine besondere Ehre wurde ihr mit der Verleihung des Carol Stanton Shield of Excellence zuteil. Dieser Award gehört zu den Spezialpreisen der Society, die von Einzelpersonen in persönlicher Wahl vergeben werden. In diesem Fall oblag die Entscheidung Martha Grünewald, der Organisatorin des Kongresses.

Happy End
Der wohl größte Erfolg war für Ute Lutz jedoch, dass es ihr gelungen ist, den Puppenkopf, auf den ihre Karriere als Künstlerin zurückgeht, zu ersetzen. Und das bereits kurze Zeit nachdem sie mit dem Puppenmachen begonnen hatte. „Damals war es gar nicht so leicht, für den 64 Zentimeter großen Körper eine passende Kopfform zu finden. Ich entschied mich, da es eine deutsche Puppe war, für die A17M von Armand Marseille, einem der größten deutschen Puppenhersteller Anfang des 20. Jahrhunderts.“ Gesagt, getan. Kurze Zeit später erstrahlte die kleine Schönheit in neuer Pracht und bestärkte Ute Lutz darin, unermüdlich auf die Suche nach Perfektion zu gehen.

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