Kestners seltene 208er-Serie

Gesuchte Charaktere

11. Januar, 2016 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Kestners seltene 208er-Serie

Im Jahr 1820 begann Johann Daniel Kestner damit, Puppen herzustellen. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Waltershausen. Heute sind Kestner-Puppen beliebte Sammlerobjekte. Besonders begehrt sind die Puppen der Serie 208. Es handelt sich dabei um wundervoll gestaltete Charakterpuppen mit Kurbelkopf und gemalten oder Glasaugen.

Mit der Herstellung von Holzgliederpuppen mit Holz- und Papiermaché-Köpfen begann Johann Daniel Kestner im Jahr 1820. In seiner Fabrik entstanden zudem Nussknacker, Tierfiguren und Stehaufmännchen. Der geschäftstüchtige Unternehmer ­expandierte stetig. Bereits 1846 beschäftigte er über 1.200 Angestellte. Ein Drittel der Belegschaft bestand aus Kindern unter 14 Jahren. Das Produktportfolio Kestners war sehr umfangreich, was maßgeblich zu seinem Erfolg beitrug. Besonders gelungen ist die Serie 208. Die Charakterpuppen mit Kurbelkopf und Glasaugen – wahlweise auch gemalten Augen – sind vorzüglich gestaltet und versprühen einen ganz besonderen Charme.

Wahre Schönheit

Die erste, ein unverfälschtes Geschöpf, ist das Kontrastprogramm zu den millionenfach produzierten Kindergesichtspuppen. Zart und zerbrechlich. Kindlich und zugleich vornehm. Mit ihrer hervorragenden Qualität gehört sie zu den Seltenheiten des Puppenmarktes. Das etwas speckige Biskuitporzellan des Kopfes ist rein und hell.

Die perfekte Modellierung dieser Serie gehört zu der am besten geglückten aus dem Hause Kestner. Die Bemalung der Augenbrauen und des Wimpernkranzes ist famos. Der geschlossene Mund mit aufgeworfenen Lippen ist bestens gelungen. Die Markierung dieser kleinen Schönheit lautet:

Made in
G. Germany 11.
208

Der originale Gipsdeckel des Kopfes ist erhalten. Sie hat blaue Glasschlafaugen und ihre üppige blonde Echthaarperücke ist ­ebenfalls authentisch. Das Puppenkind misst 48 Zentimeter. Der Kopf sitzt auf einem Gliederkörper von Kestner, der mit ­Germany 11/2 in roter Farbe gestempelt ist.

Perfektes Ensemble

Die Puppe trägt ein traumhaftes, hauchzartes Spitzenkleidchen in Weiß. Es ist aufwändig bearbeitet worden. Den Halsausschnitt umspielt ein ausladender Spitzenkoller. Die dreiviertellangen Ärmel enden in einem Spitzensaum. Das Ensemble-Oberteil ist mit exakt genähten Biesen versehen. An die verlängerte Taille fügen sich stufig aufgesetzte Spitzenborten, die mit Organza unterlegt wurden.

Darunter trägt sie einen ebenfalls spitzenverzierten Battist-Unterrock. Der ganzteilige Body ist aus glänzender Seiden­­wirkware. Ihre farblich passenden Kniestrümpfchen sind ein variantenreicher Mustermix. Die cremeweißen Stiefel sind aus feinstem Leder. Der antike Strohhut ist das aparte i-Tüpfelchen.

Gemalte Augen

Die Faszination von ­Porzellanpuppen mag sich nicht jedem auf den ersten Blick erschließen. Sammler­stücke von solcher Qualität und Ausstrahlung wie die hier vorgestellte, erreichen hingegen ein inter­nationales Publikum. Diese Serie ­existiert auch mit gemalten Augen, so wie im Fall der ­zweiten Puppe.

Das Puppenmädchen wirkt faszinierend auf den Betrachter. Das rundliche Gesicht ist wunderschön modelliert, die Bemalung der Augen und der geschlossene Mund sind perfekt. Die üppige Mohairperücke ist mittelblond und schmeichelt dem feinen Gesichtchen.

Der Kestner-Gliederkörper befindet sich in einem hervorragenden Erhaltungszustand und ist rot gestempelt. Das Puppenkind trägt ein taubenblaues, geblümtes Kleidchen aus feinstem Baumwollstoff, der am Halsausschnitt und Rocksaum mit zarter Spitze verbrämt ist. Das transparente Schürzchen aus Battist ist mit feingenähten Biesen und Spitzen aufgehübscht. Reichlich Unterwäsche, weiße Lederschühchen und passende Strümpfe komplettieren das Outfit.

Die Heimatlose

Schließlich die dritte Puppe, ebenfalls mit der Halsmarkierung 208, allerdings ohne jegliche Hinweise auf die Firma Kestner. Auch sie gehört zweifellos zu den ausgesprochen raren Exemplaren, die diese Puppenfabrik hergestellt hat. Auch hier ist die Modellierung bestens geglückt. Zudem weist sie sämtliche Merkmale der ­Charakterserie von Kestner auf. Bei ihr unterscheidet sich jedoch die Gestaltung der Mundpartie von den bereits Beschriebenen. Sie hat schmale Lippen und einen offen-geschlossenen Mund mit modellierter Zahnreihe. Ihr rundes Gesicht mit Doppelkinn, Wangenpartie mit Grübchen sowie die grau-blauen Glasschlafaugen verstärken den lieblichen Ausdruck. Sie hat ihre originale mittelblonde Kestner-Perücke mit Gipsdeckel. Der Gliederkörper mit Stempelaufdruck Germany 1 ½ ist bestens erhalten.

Das Puppenkind ist 48 Zentimeter groß und ein Produkt der Firma. Indizien für ihre Herkunft sind die Schreibweise der Nummerierung und vor allem die unüberseh­bare Familienähnlichkeit, der typische Gliederkörper sowie die Perücke mit Gipsdeckel. Die Puppe trägt ein rotes Baumwollkleid, darüber eine weiße Schürze aus ­Leinen. Die Borte ist mit dunkelrotem Perlgarn bestickt. Neben reichlich Unterwäsche trägt sie schwarze Lederschuhe und cognacfarbene Baumwollstrümpfe. Ihr rotes Samthäubchen ist reichlich mit Satinschleifen aufgeputzt.

Herausragend

Diese drei Vertreterinnen der Puppenpro­duktion von Kestner beweisen eindrucksvoll, mit wie viel Akribie und Herzblut das Unternehmen sich der Herstellung von Puppen widmete. Die Charakterköpfe der 208er-Serie zählen nicht umsonst zu den schönsten Vertretern ihrer Art. Sammler, die eine solche Puppe besitzen, können sich glücklich schätzen.

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