Hermine Wiskocil – Künstlerin und Lehrmeisterin

Ein guter Lauf

23. März, 2016 - Kategorie: Aktuell, Puppenwelten
Hermine Wiskocil – Künstlerin und Lehrmeisterin

Es war eine glückliche Fügung, die Hermine „Hermi“ Wiskocil aus dem österreichischen Baden bei Wien auf den Weg zur Puppenmacherin brachte. Statt beim City-Marathon zuzuschauen, entschied sie sich für den Besuch einer Puppenbörse. Diese Entscheidung markierte den Beginn einer großen Karriere

Selbst regelmäßig als Joggerin aktiv, fuhr Hermi Wiskocil im Frühjahr 1986 nach Wien, um beim dortigen Marathon zuzuschauen und die Läufer anzufeuern. Für ihr Auto fand sie trotz des großen Andrangs einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe eines großen Hotels. „Ein unübersehbares Transparent war über die Breite der ganzen Straße gespannt. Die Aufschrift lautete ‚Nur Heute: Große Internationale Puppenbörse‘. Damit war der Marathon vergessen – ich besuchte stattdessen die Puppenausstellung“, schmunzelt Hermi Wiskocil noch heute.

Bahnbrechend

Dieses Ereignis hat die Österreicherin nie vergessen, denn was sie auf der Puppenbörse erlebte, war nachhaltig eindrucksvoll und wurde in jeder Hinsicht wegweisend. „Meine Eindrücke damals waren einfach überwältigend. Schnell entschlossen buchte ich mich in diverse Kurse zum Erlernen der Porzellanpuppenherstellung ein und kaufte schon bald darauf einen eigenen Brennofen.“

Als Mutter von zwei Töchtern war das Thema Puppen für Hermi Wiskocil nicht ganz unbekannt. „Während unsere beiden Mädchen noch klein waren, lebten wir in Vorarlberg. Wie in vielen anderen Familien wurden auch bei uns gemeinschaftlich Stoffpuppen hergestellt. Mit Fellperücken und gemalten Augen waren sie ganz niedlich anzusehen. Später kehrten wir dann in meine Geburtsstadt Baden zurück und dort begann ich, mich etwas intensiver mit der Puppenherstellung zu beschäftigen. Seinerzeit ging ich zum Ausgleich täglich einige Kilometer laufen. Dass mein Besuch des Marathons auf einer Puppenbörse endete, war also nicht so ganz zufällig, denn ich war für das Thema Puppen bereits sensibilisiert. Ich möchte es als eine wunderbare Fügung des Schicksals bezeichnen“.

Zeitreisen

Der künstlerische Schwerpunkt der Österreicherin liegt bis heute bei der Reproduktion antiker Puppen. „Es gefällt mir, mich lange mit den historischen Vorbildern zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, um deren antiken Charme mit meiner Nachbildung möglichst genau wiederzugeben.“

Die 69-jährige ist gelernte Schneiderin, daher ist es keine Frage, dass ihre Repros mit selbst genähter Kleidung ausgestattet werden. Hermi Wiskocil hat sichtlich große Freude daran, durch das Puppenmachen gleichsam Zeitreisen unternehmen zu können. „Es ist nicht nur ausschließlich ein rein handwerkliches Hobby, sondern man lernt die Vergangenheit kennen, das ist das Einmalige an dieser Tätigkeit. Ich tauche ein in die Geschichte, beschäftige mich mit der Mode der jeweiligen Epochen, mit Sitten und Gebräuchen – ich bin immer wieder aufs Neue begeistert. “Die große Leidenschaft Hermi Wiskocils sind daher nach wie vor die antiken Porzellanschönheiten, auch wenn zur Abwechslung im Badener Atelier immer mal wieder die eine oder andere moderne Künstlerpuppenrepro entsteht.

Versierte Macherin

In ihrem Atelier verbringt die talentierte Puppenmacherin täglich viele Stunden. Regelmäßig nimmt sie mit großem Erfolg an Wettbewerben teil und engagiert sich in den einschlägigen Verbänden und Organi­sationen. Seit 2002 trägt sie den Titel Obergildemeisterin, den sie über die IDG (International Doll Guild) erlangte. Bei der GDS (Global Doll Society) erreichte Hermi Wiskocil den Rang einer Drei-Sterne-Lehrerin, seit 1990 bietet Hermi Wiskocil in ihrer Badener Werkstatt Kurse an. Wer das Porzellanpuppenmachen lernen will, ist bei ihr buchstäblich in guten Händen, denn die Österreicherin kann auf einen reichen Fundus an Erfahrungen in diesem komplexen Kunsthandwerk zurückgreifen.

Im Laufe ihrer Karriere erkämpfte sich Hermi Wiskocil bei internationalen Wettbewerben zahlreiche Goldmedaillen. 2004 gewann sie bei der GDS Convention in Heidelberg mit einer farbigen Jumeau Orientalis und einer Bru Gold sogar den Coleman Trophy, eine renommierte ­Auszeichnung, die nur für die besten ­Puppen eines Kongresses verliehen wird. „Ich liebe meine abwechslungsreiche Arbeit an und mit den Puppen, es bleiben keine Wünsche offen, denn ich bin Gestalterin, Schneiderin, Friseurin und Schusterin. Es ist diese enorme Buntheit, die mich fasziniert und motiviert.“

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