Heidemarie Doyés Kombinationsgabe

Der Mix macht's

11. Januar, 2012 - Kategorie: Aktuell, Puppenwelten
Heidemarie Doyés Kombinationsgabe

Sie sind auffallend, zuweilen provokant und fast schon verstörend. Aber vor allem eines: außergewöhnlich. Die Kugelgelenkpuppen (Ball Jointed Dolls), die Heidemarie Doyé aus Resin fertigt, verbinden Elemente verschiedenster Stilrichtungen. Das Ergebnis ist eine unverwechselbare Handschrift, die sowohl in den Puppen als auch in deren Kleidung sichtbar wird.

Bevor sich Heidemarie Doyé ganz den modernen Kugelgelenkpuppen (Ball Jointed Dolls, BJDs) verschrieben hat, fertigte sie unbewegliche Objekte der Figurenkunst und Spielpuppen. Letztere vor allem für ihre Kinder. „Spielpuppen haben mich persönlich nie interessiert. Die Darstellung von Menschen hingegen schon“, erklärt die gelernte Maßschneiderin. Im Jahr 2003 war es dann soweit. Bei den Puppen-Festtagen in Eschwege stellte die Limbacher Künstlerin ihre aus dem Edelharz Resin gefertigten BJD-Kreationen erstmals der Öffentlichkeit vor.

Zielführend

Die vielen abwechslungsreichen Aspekte des Puppenmachens sind es, die Heidemarie Doyé faszinieren. „Das Handwerk beinhaltet ganz verschiedene Tätigkeiten und wird deshalb nie langweilig“, erklärt die Künstlerin. So ist etwa das Modellieren eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Anatomie des menschlichen Körpers. „Die Herstellung der einzelnen Gelenke meiner BJDs ist immer wieder eine große Herausforderung für mich.“ Der Formenbau wiederum ist ein eher technischer Aspekt, den sie persönlich ebenfalls sehr schätzt. „Nach dem Gießen und dem Schleifen der Resin-Körper mache ich mich an die Bemalung“, berichtet die Vize-Präsidentin des Verbands europäischer Puppenkünstler. „Dabei entstehen manchmal ganz verrückte Sachen.“ Und genauso ausgefallen geht es weiter. Denn die häufig extravaganten Outfits, die sie ihren Puppendamen auf den Leib schneidert, ist der Limbacherin ebenso wichtig wie die passenden Accessoires.

Ihr liebstes Motiv sind junge Frauen in schönen und ausgefallenen Kleidern. Diese setzt die Künstlerin geschickt in Miniaturgröße um. „Es ist die Mischung, die mich reizt. Ich verbinde Gothic- und Steampunk-Elemente sowie die Mode aus verschiedenen Jahrhunderten miteinander“, erläutert Heidemarie Doyé ihren Stil, in den sie auch moderne beziehungsweise Fantasy-Elemente einfließen lässt. Ein Erkennungsmerkmal ihrer Puppen ist – ganz Gothic – eine sehr helle, fast weiße Hautfarbe in Kombi­nation mit dunkler Kleidung.

Stecken und Stab

In Sachen Accessoires setzt sie momentan vor allem auf Stäbe aller Art. Dabei reicht die Bandbreite vom Spazierstock über den Zeremonienstab bis hin zum Zepter. „Vor allem jene Puppen, hinter denen eine Geschichte steht oder die aus einer ganz besonderen Idee heraus entstanden sind, verfügen dann auch über das entsprechende Zubehör“, erklärt die Künstlerin die durchdachte Konzeption ihrer Objekte.

Inspirieren lässt sich Heidemarie Doyé vornehmlich aus der Literatur oder bei ihren zahlreichen Galerie-Besuchen. Im Anschluss recherchiert sie ausgiebig, um sich in die darzustellende Thematik einzufinden. Erst dann beginnt sie mit der eigentlichen Arbeit an einem neuen Kunstwerk. Auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine vage Vorstellung vom späteren Ergebnis hat, entspricht diese selten der späteren BJD. Jede Puppe, die das Atelier der Künstlerin verlässt, ist ein Einzelstück. „Das war schon immer so. Die jeweilige Form ist auf höchstens zehn Exemplare limitiert. Das individuelle Kunstwerk bekommt dann seinen Unikatcharakter durch die verwendeten Accessoires. Eine Kollek­tion im klassischen Sinne gibt es daher nicht“, erläutert Heidemarie Doyé.

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