Gerettete Sammlung

Tiny Riemersmas Museum zieht um

7. Januar, 2015 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Gerettete Sammlung

Das Puppenmuseum von Tiny Riemersma in Den Helder war über Jahrzehnte ein Walfahrtsort für Käthe Kruse-Sammler aus aller Welt. Nun hat die herausragende Sammlung ein neues Zuhause gefunden: das Käthe Kruse-Museum in Donauwörth. In einem sehr persönlichen Bericht beschreibt PUPPEN & Spielzeug-Autor Thomas Dahl, wie es dazu gekommen ist.

Der Traum jedes Sammlers antiker Käthe Kruse-Puppen ist für mich im Februar 2014 wahr geworden. Ich konnte das wunderschöne „Käthe-Kruse-Poppenmuseum“ von Tiny Riemersma in Den Helder nicht als normaler Museumsbesucher, sondern als Sachverständiger eine Woche lang von oben bis unten begutachten. Gemeinsam mit Thomas Heitele, dem Museumsleiter des Käthe Kruse-Museums in Donauwörth, und Tobias Vorbach, Geschäftsführer der Käthe Kruse GmbH, konnte ich alle Puppen und Ausstellungsstücke in die Hand nehmen und eingehend untersuchen.

Geschichte

Tiny Riemersma und ihre Mann Frans haben vor über 25 Jahren damit begonnen, ein eigenes Museum aufzubauen, um die einzigartigen Puppenkinder von Käthe Kruse, aber auch das Leben und Arbeiten der Puppenfabrikantin zu würdigen. Eigentlich sammelte und verkaufte Tiny – so durfte ich sie als Freund nennen – in ihrem kleinen Antiquitätenlädchen am Ortseingang von Den Helder in Nordholland französische und deutsche Porzellankopfpuppen, die sie auch mit Leidenschaft sammelte.

Auf einem Flohmarkt – so hat sie es mir einmal bei einer gemütlichen Tasse Kaffee in ihrem direkt an das Museum angrenzenden Wohnhaus berichtet – entdeckte sie eines Tages eine Puppe XII (gerne auch Hampelchen genannt) von Käthe Kruse. Über die Beschäftigung mit dieser Puppe und ihrer Schöpferin, die sie bislang nur wenig kannte, begann eine ungeheure Sammelleidenschaft. Rasch entwickelte sich aus dem ersten Exponat eine museums­würdige Sammlung, in der sie nicht nur aufsehenerregende Puppen, sondern auch Kataloge, Fotos, Bilder – also einen wahren Archivschatz – ausstellte und bewahrte. Dass diese Sammlung ein richtiges Museum benötigte, war der eifrigen Sammlerin, die sich zur Käthe Kruse-Spezialistin entwickelte, klar. Und bald war es durch die Unterstützung von ihrem Mann Frans soweit.

Eröffnung

Käthe Kruses Tochter Hanne Adler-Kruse ließ es sich nicht nehmen, das auf drei Etagen beheimatete Museum am 26. März 1988 zu eröffnen. Nach eigenem Bekunden war es für sie das schönste Museum über das Schaffen und die Puppen ihrer Mutter. Tiny erinnert sich an den Eröffnungstag: „Hanne wollte erst etwas aus der Lebensgeschichte ihrer Mutter vorlesen, hatte aber dann doch Angst, zu emotional zu werden. Wir hatten uns daher überlegt, dass sie als symbolische Eröffnungszeremonie den Lichtschalter betätigen sollte. Aber in dem Moment, indem sie den Lichtschalter umlegte, klingelte die Ladentüre laut und schallend. Hanne erschrak fürchterlich, da sie vermutete Alarm ausgelöst zu haben. Die Gäste applaudierten fröhlich, da sie meinten, dies gehöre zur feierlichen Handlung. Mein Mann dachte, es hätte jemand den Laden betreten oder die Türe wäre aufgesprungen und rief einer Bekannten zu, sie möchte doch bitte die Türe schließen. Doch nichts von dem war vorgefallen. Die Türe war nicht offen und niemand war hereingekommen. Nur die Schelle hatte laut geklingelt, in dem Moment, als Hanne Kruse den Lichtschalter betätigte, um so das Museum offiziell zu eröffnen.“

Einige Anwesende berichten anschließend, Hanne Adler-Kruse sei überzeugt gewesen, es handle sich um den Geist ihrer ­Mutter, die der Museumsöffnung hatte beiwohnen wollen. Hanne habe dies mit der Bemerkung „Typisch, sie ist wieder die Letzte“ kommentiert. Aber nicht wegen dieser Geschichte, sondern wegen der umfassenden Sammlung wurde das Museum in den letzten 25 ­Jahren zu einem regelrechten Wallfahrtsort für Käthe Kruse-Sammler. Im Jahr 2013 musste Tiny das Museum aus gesundheitlichen Gründen zum Bedauern der weltweiten Sammlergemeinde schließen. Dies war auch dem Donauwörther Museumsleiter Thomas Heitele zu Ohren gekommen. Nach einem Besuch in Den Helder entschied er, dass Tinys Sammlung unbedingt weiter ausgestellt werden sollte – am besten in Donauwörth. Und so setzte er alle Hebel in Bewegung.

Neuanfang

Seine Idee war, dieses einmalige Lebenswerk zu erhalten. Doch das gestaltete sich nicht ganz einfach. Nach einiger Zeit zeigte sich, dass sich sowohl die Stadt Donauwörth als auch die Käthe Kruse GmbH engagieren wollten, um den Plan Heiterles in die Tat umzusetzen. Aber hierzu musste man erst einmal in Erfahrung bringen, um welche Werte es sich handelte. Um diese Frage zu beantworten, wurde ich als unabhängiger Sachverständiger hinzugezogen. Gemeinsam begutachteten Thomas Heitele, Tobias Vorbach und ich die großen begehbaren Vitrinen, erkundeten das Archiv und waren fast eine Woche beschäftigt. Viele Raritäten konnten wir so genau unter die Lupe nehmen.

Auf dieser Grundlage erstellte ich mein Gutachten für die Stadt Donauwörth sowie die Käthe Kruse GmbH und beide ­Partner wurden sich im Herbst 2014 einig. Die Sammlung von Tiny sollte nach Donauwörth umziehen. Die Käthe Kruse GmbH hat es sich hierbei nicht nehmen lassen, auch einen erheblichen Anteil zum Ankauf beizusteuern. Die phantastische und einmalige Sammlung findet in Donauwörth eine neue Heimat. Bereits in diesem Jahr sollen im Rahmen einer Sonderausstellung Highlights aus der Sammlung von Tiny Riemersma gezeigt werden. Die Integration der Sammlung und die Neugestaltung des Museums in Donauwörth werden nun zum Lebenswerk von Thomas Heitele. Käthe Kruse-Sammler auf der ganzen Welt werden gespannt auf die schwäbische Reichsstadt blicken.

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