Feuer in Coburg

Das Puppenmuseum und der Großbrand

26. Juli, 2012 - Kategorie: ,
Feuer in Coburg

Kulturgüter, die bereits Jahrhunderte überdauert haben, kann ein Feuer innerhalb weniger Minuten vernichten. Ein solches Schicksal hat am Pfingstmontag 2012 die historische Altstadt von Coburg ereilt. Auch das Puppenmuseum wurde von dem Brand in Mitleidenschaft gezogen. Christine Spiller, die Kuratorin des Hauses, berichtet im Interview über die Katastrophe und die Folgen für die wertvollen Exponate.

PUPPEN & Spielzeug: Der Brand in der historischen Altstadt von Coburg hat große Schäden verursacht. Wie stark wurde das Gebäude des Puppenmuseums in Mitleidenschaft gezogen?
Christine Spiller: Direkt gebrannt hat im Museum „nur“ ein Stück des Dachs im Hinterhaus. Schäden sind vor allem durch Glutnester in der Fachwerkwand und Löschwasser in vier Ausstellungsräumen – Teepuppenabteilung, Heubach- und Automaten-Zimmer – sowie in den angrenzenden Räumen entstanden. Diese werden nun getrocknet beziehungsweise Wände und Decken zum Teil erneuert. Außerdem musste in der Teepuppenabteilung ein Wandstück ausgeschlagen werden, um das brennende Nachbargebäude zu löschen, das nur 20 Zentimeter von unserem Hinterhaus entfernt steht.

Haben Exponate Schaden genommen?
Zum Glück haben wir alle Objekte rechtzeitig herausräumen können. Wir mussten jedoch einige Transportschäden verzeichnen. Wie sorgsam die Einsatzkräfte vom Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr vorgegangen sind, zeigt sich daran, dass nur rund 50 Objekte von insgesamt 2.000 betroffen sind. Meist handelt es sich um abgestoßene oder fehlende Finger, Risse im Celluloid und zerschlagenes Porzellangeschirr.

Auf Ihrer Website haben Sie von der Rettung vieler Exponate aus den betroffenen Teilen des Museums geschrieben. Schildern Sie bitte, wie diese Aktion abgelaufen ist?
Das Haus durfte nur noch mit Atemschutz betreten werden. Das Technische Hilfswerk begann auf meine Beschreibung hin, zunächst die unmittelbar betroffenen Räume zu evakuieren: Teepuppensammlung, Heubachzimmer, Automaten-Raum. Dazu wurden Archivkartons aus dem Museumsdepot benutzt. Nachdem das Feuer überzugreifen drohte, beschlossen wir eine weitere Evakuierung. Aus dem Stadtarchiv und der Ehrenburg wurden in Windeseile Kartons herbei geschafft, die Helfer, darunter der zweite Bürgermeister Norbert Tessmer, dann schnell zusammengefaltet haben. Sämtliche Einsatzkräfte, die gerade nicht unmittelbar mit der Brandlöschung zu tun hatten, wurden geholt, um beim Transport der Objekte zu helfen.

Dann lief die Evakuierung der Exponate also sehr geordnet ab?
Ja. Die Helfer bildeten zunächst eine Kette vom Puppenmuseum zum Ämtergebäude schräg gegenüber. Als es später zu retten galt, was zu retten war, gingen die Feuerwehr und das Technisches Hilfswerk mit großen Wäschekörben, Wannen und Kartons ins Museum, während die ebenfalls herbeigerufenen Helfer des Amtes für Schulen, Kultur und ­Bildung die Objekte im Sitzungssaal des Ämtergebäudes in kleinere Kartons umluden. In vier Stunden war das Gebäude geräumt.

Wie viele Helfer werden jetzt daran arbeiten, die Schäden zu beheben?
Das wird sich erst noch herausstellen. Natürlich die vier Museumsmitarbeiter sowie Kollegen aus der Verwaltung, dazu Udo Leidner-Haber vom Museum der Deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt, Heiner Grieb von den Kunstsammlungen der Veste Coburg, zahlreiche Handwerker sowie die ehrenamtlichen Helfer unseres Freundeskreises des Museums, die ab nächster Woche die Objekte säubern, sortieren und einlagern.

Auf welchen Betrag wird die Schadenssumme geschätzt?
Das kann ich noch nicht sagen. Was die Objekte betrifft, liegt der Restaurierungsaufwand im fünfstelligen Bereich.

Wie lange wird es dauern, bis alle Schäden behoben sind?
Auch das kann ich noch nicht beantworten. Das hängt davon ab, wie schnell die Trocknung möglich ist. Dafür sind zunächst sechs bis zehn Wochen angesetzt.

Wann ist damit zu rechnen, dass der reguläre Museumsbetrieb wieder aufgenommen werden kann?
Dies ist ebenfalls schwer zu sagen. Wir streben zumindest eine Teilöffnung so schnell wie möglich an. Sobald wir wieder öffnen können, wird dies auf der Website unter www.coburger-puppenmuseum.de bekanntgegeben.

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