Erweiterung des Deutschen Spielzeugmuseums Sonneberg

Geschichtsstunde

6. März, 2015 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Erweiterung des Deutschen Spielzeugmuseums Sonneberg

Das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg ist eines der wichtigsten und namhaftesten Spezialmuseen in Deutschland und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ein Highlight des Jahres 2014 war die Eröffnung des Erweiterungsbaus. Er beherbergt den neuen Museumseingang mit großzügig angelegtem Shop und der Bühne für die 67 restaurierten Figuren der berühmten „Thüringer Kirmes“.

Sie laufen aufgeregt und gut gelaunt umher. Es gibt schließlich viel zu sehen und Attraktionen, die man sonst nicht jeden Tag erlebt: So erging es den Kindern einer thüringischen Kleinstadt vor 100 Jahren, wenn einmal im Jahr die Kirmes kam. Und so ergeht es den heutigen Kindern, die mit ihren Eltern oder Lehrern ins Deutsche Spielzeug­museum in Sonneberg mit dem neuen Erwei­terungsbau kommen.

Spektakulär

Der neugestaltete Eingangsbereich des Museums bietet viel Platz und Licht, empfängt die zahlreichen Besucher einladend: Das Empfangskomitee besteht aus den fünf restaurierten mechanischen Werbefiguren in eigens für sie entworfenen, selbsttemperierenden Vitrinen. Einmal in der Woche, Sonntagmittags, starten die Mitarbeiter des Museums ein ganz besonderes Spektakel: Die Werbefiguren, die zwischen 1890 und 1920 mit kompliziertem Mechanismus konstruiert wurden, setzen sich in Bewegung. Ihre um die 100 Jahre alten Motoren sind so empfindlich, dass sie nur einmal pro Woche ihre Arbeit aufnehmen können, ohne Schäden davonzutragen.

Ein Team aus mehreren Restauratoren von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Fachbereich Konservierung und ­Restaurierung/Grabungstechnik hat sich der Schaustücke angenommen, die damals in den Blütezeiten der Sonneberger Spielzeugindustrie zu Werbezwecken auf Ausstellungen und Messen eingesetzt wurden. Die Sparkasse Sonneberg hat die gesamte Restaurierung der fünf kostbaren Automaten finanziert. Im Kleinen Saal, dessen Eingang am Ende des Ganges liegt, informiert ein zwölfminütiger Film über die Geschichte der Weltspielzeugstadt Sonneberg, deren Traditionen im Museum lebendig bleiben.

Thüringer Kirmes

Weiter geht es für die Besucher zur Thüringer Kirmes eine ­Treppe höher. Wie in einem Theater betreten sie einen dunklen Raum mit Tribüne. Dann geht das Licht an und die Thüringer Kirmes auf der Bühne erwacht zum Leben: Das Karussell auf der linken Seite dreht sich, Musik erklingt, und der Zuschauer erfährt in einer Licht-Klanginstallation Wissenswertes über dieses weltberühmte Ausstellungsstück. Die 67 lebensecht wirkenden Figuren entwarf der damalige Direktor der Industrieschule, Reinhard Möller, für die Weltausstellung in Brüssel 1910. Sie sollten die Kraft und unangefochtene Position als Weltmarktführer der thüringischen Spielzeugindustrie selbstbewusst darstellen und erhielten in Brüssel den „Grand Prix“.

Insgesamt 37 Sonneberger Firmen waren an der Herstellung der Figuren beteiligt sowie Schüler der Industrieschule, Modelleure und Handwerker. „Es ist ein Glücksfall, dass das ganze Ensemble nach der Weltausstellung erhalten geblieben ist und nicht wie bei früheren Veranstaltungen die Teile einzeln verkauft wurden, um die Herstellungskosten zu decken“, berichtet Museumsleiterin Reinhild Schneider. Die Thüringer Kirmes kam komplett nach Sonneberg zurück und wurde zunächst in einem eigens gebauten Saal untergebracht. Später wanderte sie in den Zwischenbau, der die beiden ehemaligen Gebäude der Handelsschule und der Gewerbeschule verband. Die Räumlichkeiten entsprachen keinen konservatorischen Ansprüchen, und so litt das feuchtigkeitsempfindliche Papiermaché stark. Eine Restaurierung wurde dringend notwendig und eine Aufstellung unter konservatorischen Bedingungen – die mit dem Neubau, dem Bauabschnitt 1, nun geschaffen worden sind.

Geschichtsstunde

Nach dem Ausflug zur Thüringer Kirmes schlendert der Besucher weiter und trifft auf eine beeindruckende Videoprojektion: „Fotografische Aufnahmen aus dem Sonneberg um 1910 zeigen Situationen der Spielwarenherstellung, Musterblätter mit Erzeugnissen der ­Sonneberger Spielwarenindustrie sowie historische Ansichten der Spielwarenmetropole Sonneberg“, erzählt Reinhild Schneider.

Nun geht es weiter vom Neubau in den Altbau, der über 5.000 Exponate beherbergt. Auf der ersten Ebene ist technisches Spielzeug von den Anfängen bis zur Gegenwart ausgestellt, in Ebene zwei kommen Puppenliebhaber auf ihre Kosten: Hier steht die Geschichte der Spielpuppe und des figürlichen Spielzeugs im Mittelpunkt. Neu in diesem Bereich sind die Farbakzente in den Vitrinen, die das Museumsteam um ­Reinhild Schneider teilweise neu sortiert und bestückt hat. Nach dem Rundgang freuen sich vor allem die jüngsten Besucher über die beiden Spielbereiche, von denen einer im Zuge der Umbauarbeiten eigens neu gestaltet wurde und sich im ehemaligen Kassenbereich befindet. Das Spielzeugmuseum ist eben sowohl ein Ort der Bildung und Kultur als auch ein Ort der Unterhaltung und des Spielens.

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