Das legendäre Stacheltier Mecki wird 60

Keine Zeichen von Altersschwäche

13. Juli, 2011 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Das legendäre Stacheltier Mecki wird 60

Fast jeder kennt die aberwitzige Geschichte von Hase und Igel, in der die beiden ungleichen Tiere um die Wette laufen. Inspiriert durch dieses Märchen entstand Anfang des 20. Jahrhunderts die Figur des Igels Mecki.

Die Anfänge des beliebten Stacheltiers reichen zurück bis in das Jahr 1843. Zu dem Zeitpunkt wurde eine Ausgabe von Ludwig Bechsteins Märchenbuch veröffentlicht, das die Geschichte von Hase und Igel enthielt, zusammen mit schönen Illustrationen in Schwarz-Weiß. Die Brüder Grimm hatten dieses Märchen im selben Jahr unter der Nummer 187 in die 5. Auflage ihrer Kinder- und Hausmärchen aufgenommen.

Inhaltliches

Der listenreiche Igel schafft es in der Erzählung, den von Natur aus schnelleren Hasen im Wettlauf zu besiegen. Das Vorgehen ist jedoch nicht unbedingt als fair zu bezeichnen. Frau Igel, ihrem Mann zum Verwechseln ähnlich, bleibt gemütlich an der einen Seite der Rennstrecke stehen, während Herr Igel sich bereits auf der anderen Seite faul an sein Häuschen lehnt und dabei genüsslich ein Pfeifchen raucht. Beide verkünden jeweils dem hin- und her rasenden Hasen auf Plattdeutsch „Ick bin all hier!“ (Ich bin schon da!) Das konnte ja nur ungerecht ausgehen. Am Ende verliert der Hase nicht nur das Rennen, sondern auch sein Leben durch das Gehetze.

Entstehungsgeschichte

Die menschliche, aufrechtstehende Gestalt des Igelpärchens, sowie ihre Bekleidung war in Bechsteins Märchenbuch durch ­Ludwig Richters Illustrationen in Holzstich-Technik gekonnt ausführt. Diese Abbildungen darf man wohl als diejenigen bezeichnen, die sehr viel später zur Entstehung des Mecki führen sollten.

Gut 100 Jahre nach den frühen Illustrationen im Märchenbuch mit der Hase-und-Igel-Geschichte brachte die Firma Steiff in Giengen ihren Klassiker, die Mecki-Puppe, auf den Markt. Währenddessen hatten sich bereits in den 1930er-Jahren die Brüder Paul, Hermann und Ferdinand Diehl mit der Herstellung von Trickfilmen beschäftigt. Bei der Themensuche stießen sie ebenfalls auf besagtes Märchen. 1937 führten sie mit großem Erfolg ihren Film zu diesem Thema vor. In diesem traten die vermenschlichten Igel mit ­Knubbelnase, Stachelfrisur und verschmitztem Lächeln auf.

Erneuter Printheld

Nach dem Zweiten Weltkrieg erkor sich die Rundfunkzeitschrift Hörzu Mecki als ihr Markenzeichen aus. Seine Abenteuer fand man nun regelmäßig in den laufend erscheinenden Ausgaben. Die besonders von Kindern geliebte Figur wurde werbewirksam „Redaktionsigel“ genannt. Erstmals trat Mecki 1949 auf der Titelseite der 43. Ausgabe der Hörzu in Erscheinung. Ein Rechtsstreit zwischen den Gebrüdern Diehl und der Zeitschrift führte zu einem finanziellen Ausgleich zugunsten der Filmemacher.

Der originelle Igel hatte es anfangs nicht leicht, seinen Platz im Leben zu finden. Jeder, der von dieser einmaligen Figur fasziniert war, wollte ihn für sich vereinnahmen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass 1952 das erste Buch einer später sehr erfolgreichen Serie von Mecki-Büchern auf den Markt kam. „Mecki im Schlaraffenland“ war der erste Titel. Es sollten noch viele der querformatigen, bunten Bücher erscheinen. Sie trugen weiter zur Popularität dieser originellen, menschlichen Igelfigur bei.

Begeisterung zum Anfassen

Die Spielpuppe Mecki aus dem Hause Steiff feiert 2011 ihren 60. Geburtstag. Den Eigennamen, der in der Nachkriegszeit bald in aller Munde war, hatte man von Seiten der Firma Steiff natürlich mit der Hörzu im Einvernehmen abgesprochen. Schon im März 1951 lag das erste Muster der vermenschlichten Igelpuppe vor und wurde zum Vorbild für viele Mecki-Generationen. Das Giengener Unternehmen hielt sich bei der Fertigung an das Vorbild aus den Diehl-Filmen. Allerdings wurden immer wieder kleinere Korrekturen vorgenommen. So fiel das Schnäuzchen mal breiter, mal etwas spitzer aus. Klassische Meckis waren und sind laut einschlägiger Literatur 28 Zentimeter groß. Demnach muss das, dem Artikel zugrundeliegende Antik-Exemplar aus der allerersten Generation etwas geschrumpft sein. Dieses misst lediglich 26 Zentimeter und wurde mit Holzwolle fest gestopft, wie man an seinem aufgeplatzten Schuh erkennen kann. In der Füllung liegt die Erklärung für die abweichende Größe, da es sich bei dem Material um ein Naturprodukt handelt, dass sich im Lauf der Zeit verändert.

Im ersten Jahr der Produktion wurden die Köpfe der Meckis aus Latex gegossen. Das führte dazu, dass diese heute seltenen Exemplare inzwischen ein recht schrumpeliges und faltenreiches Gesicht haben. Bald darauf fertigte Steiff die Igel-Häupter aus Gummi. Nun konnten sie getrost ihr Schnäuzchen in die Luft recken, ohne irgendwann dem sichtbaren Alterungsprozess ausgesetzt zu sein. Dieser ist leider auch mit moderner Technik nichts aufzuhalten.

Die frühen Meckis trugen am rechten Arm ein Stoffband, worauf stand „Made in US-Zone“. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Besatzungszeit in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht beendet war. Den linken Arm zierte ein Plastikreif mit dem Warenzeichen der Firma Steiff. Ein Qualitätsmerkmal, das sogar Kinder ab einem gewissen Alter stolz betrachteten und nicht ablösten.

Familienzuwachs

1952 bekam Mecki seine Frau Micki und ein Jahr darauf die Kinder Macki und Mucki zur Seite gestellt. Die beiden Kleinen sind 12 Zentimeter groß und bestehen komplett aus Gummi. Auch eine Zwischengröße der beiden erwachsenen Igel tauchte auf. Die beiden sind jeweils 18 Zentimeter groß und ihr Outfit ist vom normalgroßen Pärchen nicht zu unterscheiden.

Der in diesem Artikel vorgestellte antike Mecki, stammt aus der allerersten Spielpuppen-Generation. Er steht hier stellvertretend für die wenigen, noch vorhandenen 60-jährigen „Geburtstagsigel“. Sein typisches, faltenreiches und stark gebräuntes Gesicht ist aus Latex gefertigt. Nicht einmal die beste Kosmetik der Welt könnte diesen sichtbaren Alterungsprozess aufhalten oder beseitigen. Auffällig ist, dass auch Meckis Frisur von der seiner Frau sowie den späteren Meckis abweicht. Die stachelige und doch so wunderbar weiche Haarpracht umrahmt im runden Bogen über der Stirn sein verschmitzt lächelndes Gesicht. Frühe Meckis der ersten Generation trugen alle diesen „Igelschnitt“. Auch etliche männliche Jugendliche ließen sich damals so einen „Igelputz“ schneiden.

Kleider machen Leute

Alle abgebildeten Puppen tragen ihre Original-Kleidung. Dazu gehört bei dem „Alten“ eine von Steiff angeschmutze, lange Hose mit roten und blauen Flicken auf den Knien. Auch die braune Weste aus Filz mit den kleinen Lederknöpfen, sowie das blau-weiß-rot-gemusterte Hemd entsprechen der Erstausstattung. Nicht mehr vorhanden ist ein Schnürband, das einmal Meckis Hose in der Taille hielt. Dafür trägt er nun ein von Kinderhand gehäkeltes Baumwollbändchen. Die hölzerne Pfeife, die früher in seinem Hosenbund steckte, ist leider auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

So überstand dieses Exemplar alle Stürme seiner langen Lebenszeit, zunächst in einem Kinderzimmer bei behutsamem Spiel, dann schlief er viele Jahre in einer dunklen Spielzeugkiste auf einem Boden und landete schließlich – durch Sammlerhand – in einer antiken Spielzeugsammlung. Von dort durfte er sogar für etliche Jahre in einem Spielzeugmuseum in einer Vitrine auf das heutige bunte Treiben schauen.

Plagiate und Preise

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass schon bald nach Erscheinen des Original-Steiff-Meckis, so genannte Pseudo-Mecki-Puppen verschiedenen Ursprungs auf den Spielzeugmarkt drängten. Diese trugen entweder Plastik- oder Pappmaché-Köpfe mit einer Stachelfrisur. Sie schauten zwar lustig, aber längst nicht so liebenswert in die Welt und kamen auch nie an die qualitativ hochwertige Originalausgabe heran.

Allerdings waren diese Figuren wesentlich billiger. 1951 kos­te­te ein „echter“ Mecki bereits 14,50 Mark. Eine stolze Summe in der Nachkriegszeit. Der Kaufpreis steigerte sich mit den Jahren erheblich, sodass Mecki heute wohl nur noch absoluten Liebhabern vorbehalten bleibt. Außer dem Teddy war keine Tierpuppe so gelungen und beliebt, wie der echte Mecki und genau dieser wird nun 60 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch.

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