Carmen Sommer, die Profi-Rebornerin

Leidenschaft und Hingabe

16. März, 2017 - Kategorie: Aktuell, Puppenwelten
Carmen Sommer, die Profi-Rebornerin

Seit 2007 ist Carmen Sommer mit dem Label „Once so real“ auf der Erfolgsspur: Nicht nur mit ihren selbst gefertigten Reborn-Babys, sondern auch als Chefin des gleichnamigen Internet-Shops. In PUPPEN & Spielzeug spricht die 46-jährige über ihre ersten Berührungspunkte mit dem Thema Puppen, ihre Arbeitsweisen und berichtet aus ihrem Alltag.

PUPPEN & Spielzeug: Viele Puppenkünstler haben sehr früh Impulse für ihr späteres Schaffen erhalten. Trifft das auch auf Sie zu?
Carmen Sommer: Ja, schon seit meiner Kindheit und Jugend habe ich mich für jegliche Art von Kunst interessiert und war schon immer in vielerlei Hinsicht kreativ. Beschäftigt habe ich mich nicht nur mit dem Modellieren, sondern auch Zeichnen, Raumgestaltung und Dekoration gehörten zu meinen Betätigungsfeldern. Seit jeher bin ich zudem Sammlerin von schönen Dingen. Mein anfängliches Sammlerinteresse galt zunächst Bären und anderen Tieren. Erst nach der Geburt meiner Tochter kam das Interesse an Puppen.

Gab es einen Anlass, weshalb Sie sich gerade dieser künstlerischen Beschäftigung zugewandt haben?
Es war eher ein Zufall – oder soll ich besser sagen: eine glückliche Fügung des Schicksals – dass ich beim Puppenmachen hängen geblieben bin. Auf der Suche nach einer besonderen Puppe für meine Tochter, stieß ich beim Stöbern im Internet auf Reborn-Babys aus den USA. In ­Deutschland wurde dieser Trend gerade erst so richtig bekannt, professionelle gestaltete Reborns gab es nur vereinzelt. Ich konnte kaum glauben, dass man Puppen so echt gestalten konnte und wollte dies unbedingt auch versuchen. Im Jahr 2003 besuchte ich erstmals einen Kurs zum Fertigen von Reborn-Babys in Nordrhein-Westfalen. Dies war der Grundstein für mein neues Hobby und meine Karriere als Puppenmacherin sowie ­Shop-Betreiberin. Bereits vier Jahre später habe ich meinen bis dahin ausgeübten Beruf als Sekretärin zugunsten der Selbstständigkeit aufgegeben.

Hat sich Ihr Leben durch Ihre Tätigkeit als hauptberufliche Puppenmacherin verändert?
Ja, ich habe dadurch eine völlig neue Welt kennen gelernt und kann, seit ich selbständig bin, mein Leben nach meinen Vorstellungen gestalten. Ich hatte auch das Glück, viele Gleichgesinnte kennen zu lernen. Daraus sind bis heute einige langjährige Freundschaften entstanden, die ich nicht mehr missen möchte. Vielen berührenden Schicksalen bin ich im Laufe der Jahre begegnet und habe erlebt, wie heilsam ein Puppenkind für manche Menschen sein kann.

Welche künstlerischen Grundsätze betrachten Sie als Schlüssel zum Erfolg?
Von Anfang an habe ich auf eine saubere, detailgetreue und realistische Arbeit geachtet. Außerdem bin ich offen für neue Techniken und Arbeitsweisen. Meinen Kunden möchte ich etwas Besonderes bieten: Neben der Gestaltung der Puppen selbst verwende ich passende Accessoires und lege Wert auf eine ansprechende Dekoration der Reborn-Babys.

Wird Ihre Familie in das künstlerische Schaffen einbezogen und wie geht sie damit um?
Mein Mann Michael und meine Kinder ­Cedric sowie Laetitia unterstützen und begleiten mich auf Ausstellungen und Messen. Ohne meinen Mann könnte ich das Shop-Geschäft kaum führen. Er übernimmt den überwiegenden Teil der administrativen Aufgaben. Meine Tochter schätze ich außerdem sehr als konstruktive Kritikerin, sie gibt mir immer ein ehrliches Feedback.

Wie schaut einer Ihrer typischen Tage aus?
Wenn ich Puppen fertige, nehme ich mir an diesem Tag nur wenige andere Dinge vor und versuche, mich voll und ganz auf die Gestaltung zu konzentrieren. Grundsätzlich arbeite ich immer nur an einer Puppe, niemals an mehreren gleichzeitig. Ich habe einen bewährten Fahrplan, nach dem ich vorgehe: Gestartet wird mit dem Färben der Vinylteile, später kommt das Rooten und Füllen. Da die Farben gebrannt werden, bleibt mir während des Brennens etwas Zeit, mich mit Fachliteratur zu beschäftigen. Gerne informiere ich mich im Internet über neue Techniken und teste diese. Manchmal habe ich auch liebe Freundinnen zu Besuch und wir rebornen gemeinsam. Dabei können wir uns wunderbar über aktuelle Themen aus der Rebornwelt austauschen.

In welchen Auflagen fertigen Sie Ihre Reborns?
Die Babypuppen sind immer Einzelanfertigungen, wobei es die Vinylsets natürlich mehrmals gibt. Da sie von Hand hergestellt werden, gibt es trotzdem individuelle Unterschiede, was ja gewollt ist. Einen Bausatz reborne ich nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch mehrmals.

Wie hoch ist der zeitliche Aufwand bis zur Vollendung einer Puppe?
Ungefähr 40 bis 60 Stunden, es kommt darauf an, wie groß die Exemplare sind und ob sie gerootet werden.

Was ist Ihnen an Ihren Arbeiten wichtig?
Eine saubere und detailgetreue Arbeit mit hochwertigen Materialien bildet die Grundlage meiner Arbeit. Für mich sind die Augen und die Haare der Puppe das A und O. Die Augen spiegeln die Seele der Puppe wieder, die Haare machen den Charakter aus. Um das Gesamtbild abzurunden, ist zudem eine stimmige Dekoration sowie passende Kleidung wichtig.< b>Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Gibt es besondere Herausforderungen, denen Sie sich stellen wollen?
Für den Rebornshop habe ich noch viele Ideen, die ich gerne umsetzen möchte. Außerdem würde es mir gefallen, mehr Puppenmacherkurse, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder, zu geben. Und ich möchte irgendwann einmal einen Teddybär fertigen!

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