Badepuppen aus Porzellan

Waschtag

5. November, 2011 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Badepuppen aus Porzellan

Sie sind wie eine Mischung aus Kuscheltier und Quietscheentchen. Nicht optisch, sondern in ihrer Funktion. Die klassischen Badepuppen des frühen 20. Jahrhunderts wurden vollständig aus glasiertem Porzellan hergestellt und begleiteten ihre kleinen Besitzer in die Wanne, bei Ausflügen an den See oder in die Sommerfrische ans Meer.

Die Badepuppen waren damals ein reines Kinderspielzeug. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die einstigen Besitzerinnen auch manchen Schabernack mit ihnen getrieben haben. Das war natürlich nur in einem gewissen Rahmen möglich, denn schließlich sind diese geschlechtslosen Porzellanwesen sehr zerbrechlich. Man musste behutsam mit ihnen umgehen. Zum Glück haben viele Kinder dies wohl auch getan, denn sonst hätte sicher keines dieser ­heutzutage sehr gefragten Sammlerstücke bis ins 21. Jahrhundert überlebt.

Namensgebend

Die Bezeichnung Badepuppe kommt natürlich nicht von ungefähr. Die recht schweren, ungelenkigen Puppen konnten ins Wasser gelegt werden und schwammen rücklings an der Oberfläche. Das Geheimnis dieses Schwimmwunders ist der Porzellan-Hohlkörper. Deshalb nahm manches kleine Mädchen solch eine Badepuppe nicht nur daheim mit in die eiserne Wanne, sondern auch mit an die Ost- oder Nordsee in die Sommerfrische. Dort wurde das Badeutensil der besonderen Art, welches in unterschiedlichen Größe zwischen 3 und 50 Zentimetern erhältlich war, auf die Wellen gelegt und schwamm, auf dem Wasser treibend, an den Strand zurück.

Natürlich bereitete solch ein Nackedei zu Hause in der Bade­wanne ebenso großes Vergnügen. Dann wurde die Puppe eingeseift und gewaschen. Selbstverständlich nur ausgesprochen vorsichtig. Mehr war natürlich nicht möglich und von Seiten der Erwachsenen vermutlich auch nicht erlaubt. Schließlich kostete solch ein Puppenkind aus Porzellan nicht gerade wenig.

Standortvorteile

Wie so viele innovative Produkte wurden diese Puppen in den Porzellan-Manufakturen erfunden, die sich Ende des 19. Jahrhunderts im Thüringer Wald angesiedelt hatten. Der dortige Holzreichtum sorgte dafür, dass die Brennöfen die erforderlichen Temperaturen erreichen konnten und vor allem gab es dort auch Kaolin, Quarz und Feldspat; begehrte Rohstoffe zur Herstellung von Porzellan. So ist es kaum verwunderlich, dass ein großer Teil der heute bei Sammlern heiß begehrten Exponate aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert in Thüringen gefertigt wurde. In der Regel sind aber „nur“ deren Köpfe aus Porzellan gegossen, gebrannt und bemalt. Und das im Übrigen nicht selten von Frauen und Kindern in häuslicher ­Kleinarbeit. Anders die Badepuppen, die vom Scheitel bis zur Sohle aus Por­zellan bestehen, um im Wasser „schwimmen“ zu können.

Eine eingeprägte Halsmarke, die sonst nahezu jeden der antiken Porzellanköpfe aus Thüringen kenntlich macht, sucht man bei den Badepuppen vergebens. Und so lassen sie sich heute auch kaum einer ganz bestimmten Manufaktur zuordnen. Dass diese zu wert­vollen Sammlerstücken werden sollten, die eine genaue Markierung zur Wertsteigerung benötigen, konnte sich vermutlich keiner der zeit­genössischen Hersteller vorstellen. Die Puppen waren sozusagen ein Gebrauchsgut. Mit feinen Pinselstrichen und offenbar in Windeseile trug ein Porzellanmaler die schwarze oder helle Kurzhaarfrisur auf den recht großen Kopf einer solchen Puppe auf. ­Unterschiedliche Frisuren oder gar Haarlängen gab es nicht. Ein zarter dunkler Lidstrich direkt über dem Auge und darüber noch ein weiterer in der Lidfalte zeigt die Kunst des Porzellanmalers. Zum Teil sind die Wangen dieser prallen „Badeengel“, wie sie gelegentlich auch genannt wurden, stark rosa gefärbt. In anderen Fällen sind sie nur leicht schattiert und zeigten damit vornehme Blässe. Dass diese geschlechtslosen Wesen alle ihre ausgestreckten, leicht gekrümmten Arme mit geballten Fäusten nach vorne strecken hat ausschließlich etwas mit ihrer Standfestigkeit zu tun. Nur so hielten sie sich perfekt auf ihren platten, großen Füßen stehend aufrecht.

Wer gerne Spielzeugmuseen aufsucht, wird sicher seine Freude an den entzückenden und so herrlich altmodischen Badestuben haben, in denen die Puppen einst nach Herzenslust von ihren „Müttern“ ein­geseift und im Miniatur-Wännchen untergetaucht wurden. All das versprüht den Charme vergangener Tage, den man sich in den komfortablen Nasszellen heutiger Zeit kaum noch vorstellen kann.

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