Augen-Vielfalt: Gemalt oder aus Glas

Der richtige Blick

18. Mai, 2015 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Augen-Vielfalt: Gemalt oder aus Glas

Bereits für das Universalgenie Leonardo da Vinci stand fest, dass die Augen ein Spiegel der Seele sind. Dies gilt auch für Puppen. Denn deren Platzierung und Ausarbeitung entscheidet darüber, ob man ein Kunstwerk ästhetisch und ansprechend findet. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Augen aus Glas sind oder aufgemalt wurden.

Es ist nicht schwierig, antike Puppen des gleichen Typs zu finden, die sich lediglich in der Ausgestaltung der Augen unterscheiden. Vielmehr war es eine gängige Praxis, bestimmte Muster, die zunächst über Glasaugen verfügten, neu aufzulegen und diese mit gemalten Augen zu versehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Unternehmen Gebrüder Heubach aus dem thüringischen Lichte.

Rentabilität

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Puppenköpfe mit Glasaugen waren deutlich teurer und der Aufwand wesentlich größer als bei gemalten Exemplaren. Glasaugen mussten nach der Fertig­stellung eines Porzellankopfes montiert werden. Dies war eine sehr filigrane Arbeit und nahm viel Zeit in Anspruch. Schließlich war es wichtig, dass alles stimmte und die Puppe nicht schielte. Bei kleineren Köpfen wurden die Augen in vielen Fällen sogar von ­Kindern eingesetzt, da diese mit ihren Fingerchen besser in die Köpfe hineinkamen.

Der Aufwand war noch deutlich größer, sollte eine Puppe Schlafaugen erhalten. Die entsprechenden Gestelle in den Kopf einzusetzen, erforderte eine sehr hohe Genauigkeit. Für einen reibungslosen Betrieb solcher Augen liegen die Toleranzen nämlich im Zehntel-Millimeter-Bereich. Für diese Arbeit gab es sehr geschickte Fachleute, die professionellen Augeneinsetzer.

Vielfältige Inge

Auch bei Zelluloidpuppen kam es häufig vor, dass die gleichen Modelle mal mit fest eingesetzten Glasaugen, Glas-Schlafaugen oder gemalten Augen versehen waren. Als gutes Beispiel hierfür sei die hunderttausenfach hergestellte Puppe Inge von Schildkröt genannt.

Als Anfang der 1980er-Jahre ein regelrechter Sammel-Boom im Segment der antiken Puppen ausbrach, stürzten sich die Enthusiasten vornehmlich auf Exemplare mit Glas- oder Schlafaugen. Puppen mit gemalten Augen wurden zunächst als weniger ­sammelwürdig eingeschätzt. Das ging teilweise sogar soweit, dass gerissene Händler bei Zelluloidpuppen mit gemalten Augen diese geschickt herausschnitten und Glasaugen einsetzten (oder einsetzen ließen), um dann einen höheren Preis zu erzielen.

Dabei kann man durchaus sagen, dass nicht nur Glasaugen den Puppen ihren Reiz verleihen, sondern auch gut gemalte Augen sehr schön und reizvoll sind und den Puppengesichtern viel Lebendigkeit vermitteln. Inzwischen sind viele Sammler auf den Geschmack gekommen und auch Puppen mit gemalten Augen erfreuen sich mittlerweile ungebrochener Beliebtheit.

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