10 Jahre Babypuppen von Ursula Konhäuser

Little Pearls

22. September, 2012 - Kategorie: Aktuell, Puppenwelten
10 Jahre Babypuppen von Ursula Konhäuser

Seit nunmehr 10 Jahren ist Ursula Konhäuser unter dem Label „Little Pearls“ professionell als Rebornerin aktiv. Damit ist die Rendsburgerin eine Frau der ersten Stunde in der noch jungen Babypuppen-Szene. In PUPPEN & Spielzeug berichtet sie über ihren künstlerischen Werdegang, ihre Erfolgsgeheimnisse und die Besonderheiten des Rebornens.

PUPPEN & Spielzeug: Frau Konhäuser, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen Jubiläum. Können Sie sich noch an Ihren Einstieg in die Reborn-Szene erinnern?
Ursula Konhäuser: Es war der pure Zufall, dass ich um die Jahrtausendwende erstmals im Internet auf Reborn-Puppen stieß. Damals konnte ich mit dem Begriff nicht viel anfangen, aber das verblüffend realistische Aussehen dieser Puppen hat mich sofort in den Bann gezogen. Ich ließ buchstäblich alles andere stehen und liegen und versuchte in Erfahrung zu bringen, wie man so etwas gestalten kann.

Warum waren Sie so sehr beeindruckt von diesen Modellen? Ein nicht erfüllter Kinderwunsch kann es bei Ihnen ja wohl kaum gewesen sein.
Nein, als Mutter von vier Jungs und zwei Mädchen hat dieser Aspekt bei mir keine Rolle gespielt. Ich denke, es liegt daran, dass ich schon als Kind überaus fasziniert von Puppen war. Andere Spielsachen haben mich überhaupt nicht interessiert. Ich wollte schon damals, dass meine Puppen möglichst „babyhaft“ aussehen, aber das war in den 1950er- und 1960er-Jahren nicht üblich. Realistische Abbilder von Babys oder Kleinkindern gab es gar nicht. Eine meiner Lieblingspuppen war Ursel, eine Schildkröt-Puppe aus Celluloid. Sie und ihre 34 Geschwister fuhr ich ständig wechselweise in einem Kinderwagen spazieren, was mich nicht davon abhielt, in jeden vorbeifahrenden echten Kinderwagen zu schauen. Das ist übrigens auch heute noch so.

Holen Sie sich auf diese Weise Anregungen?
Ja, zum Teil. Ich befasse mich schließlich mit der Imitation frühkindlichen Lebens, die so realistisch wie möglich wirken soll. 2006 war ich eine der ersten Rebornerinnen, deren Messestand einem Kinderzimmer nachempfunden war. Wenn ich auf einschlägigen Veranstaltungen wie den Eschweger Puppen-Festtagen oder dem Reborn-Festival in Neustadt meine Werke zeige, höre ich manchmal ein „Huch, jetzt habe ich doch wirklich gedacht, das Baby ist echt“. Das ist für mich ein Kompliment und bestätigt mich in meiner Arbeit.

Wie erreichen Sie diese Realitätsnähe bei Ihren Puppen?
Ich arbeite ausschließlich mit dem Genesis-Farbsystem. Bei all meinen Reproduktionen achte ich zudem bedingungslos auf ­Material- und Verarbeitungsqualität. Im Laufe der Jahre habe ich wohl an die 300 Modelle hergestellt und verkauft. Da bekommt man eine gewisse Routine. Trotzdem nicht nachlässig werden und sorgfältig zu arbeiten, ist das oberste Gebot. Mir kommt dabei mein permanentes Bestreben nach Perfektion zugute. Eigentlich bin ich nie so ganz zufrieden mit meinen Arbeiten. Immer habe ich das Gefühl, das eine oder andere doch noch einen Tick besser machen zu können. Dann suche ich wieder nach neuen Wegen und Optimierungspotenzialen. Die Techniken sind im Laufe der Jahre so aufwändig und vielschichtig geworden, dass zehn Arbeitstage pro Puppe das Minimum und 120 Arbeitsstunden keine Seltenheit sind. Entsprechend teuer sind solch aufwändig gefertigten Reborn-Modelle inzwischen. Daher stelle ich jede Puppe nur einmal her: Sammler, die viel Geld für eine Reborn-Puppe ausgeben, haben meines Erachtens ein Recht auf Einmaligkeit.

Bei dieser Komplexität gehören Weiterbildung und überdurchschnittliches Engagement sicher zum Pflichtprogramm?
Selbstverständlich, beides ist unerlässlich. Die Entwicklungen, was den zu erreichenden Grad der Realitätsnähe anbetrifft, gehen ja ständig weiter. Ich habe an einer ganzen Reihe von Reborn-Seminaren in Deutschland, England und den USA teilgenommen. Zum Nachweis meiner fachlichen Qualifikation unterzog ich mich zuletzt einem Zertifizierungsverfahren des Verbandes Asintra (Anmerkung der Redaktion: Asintra: Association of International Reborn Artists). Im September 2011 habe ich meinem „Certified Asintra-Master“ vor einer unabhängigen Jury abgelegt. In meiner spärlich bemessenen Freizeit engagiere ich mich außerdem als Vorstandsmitglied in den Verbänden Asintra und Iiora (Anmerkung der Redaktion: Iiora: International Institute of Reborn Art) für die ­Weiterentwicklung der internationalen Reborn-Szene. Durch den ergänzenden verbandsinternen Austausch und meine Zugehörigkeit zu verschiedenen Gilden ist der notwendige Wissenstransfer ziemlich gut. Wer von anderen lernen will, sollte selber auch die Bereitschaft haben, Wissen zu teilen. Seit einigen Jahren biete ich daher selbst mehrmals jährlich eigene Reborn-Workshops an.

Außerhalb der Puppenszene betrachtet man die Imitation von Babys, vor allem die kompromisslos realitätsnahe Darstellung von Neugeborenen und Frühchen, bisweilen mit erheblicher Skepsis. Wie gehen Sie damit um?
Ich achte auf ethisch und moralisch unbedenkliche Darstellungen, sowohl bei der Gestaltung als auch bei der Vermarktung. Mittlerweile gehören sogar Frühchenvereine, sozialpädagogische Einrichtungen und Hersteller von Medizinanlagen zu meinem festen Kundenkreis.

Wie steht Ihre ­Familie zu Ihrer beruflichen Tätigkeit als Rebornerin?
Meine Familie hat meine diversen Leidenschaften schon immer voll unterstützt. Allen voran mein Mann, der nicht nur in unserem Reborn-Verband aktiv ist, sondern jede notwendige Hilfestellung bei allen administrativen Aufgaben und Marketingaktivitäten leistet. Darüber hinaus begleitet er mich seit Jahren bereitwillig zu allen meinen Präsentationen, Workshop-Teilnahmen und internationalen Ausstellungen. Hier ist auch unsere Tochter Martinique gerne mit von der Partie. Sofern sie es irgendwie einrichten kann, fungiert sie als zusätzliche Standbesetzung. Ohne diesen uneingeschränkten familiären Rückhalt wäre meine Arbeit sicherlich nicht so erfolgreich und ich nicht da, wo ich heute bin.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Babypuppen-Szene und was raten Sie Neu-Einsteigern?
In den vergangenen zehn Jahren habe ich eine ganze Reihe von durchaus hoffnungsvollen und talentierten Babypuppen-Künstlern kommen, viele aber leider auch wieder gehen sehen. Der ­Anbietermarkt wächst stetig und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass insgesamt schon ein stimmiges Konzept notwendig ist, um in diesem Markt zu überleben und auf Dauer auch noch erfolgreich zu sein. Um eine Basis für nachhaltigen Erfolg zu schaffen, empfehle ich Nachwuchs-Rebornern dringend, auf eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung zu achten und sich parallel professionell zu organisieren.

Gibt es etwas, worauf sich die Fans von Little Pearls besonders freuen können?
Im Herbst stehen am 3. und 4. November die Eschweger Puppen-Festtage auf dem Programm. Und im kommenden Jahr werde ich erstmals auf der CREATIVA in Dortmund ausstellen. Hier warte ich gleich mit mehreren Überraschungen auf.

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